Deshalb gibt es den BVNF

Unter dem Eindruck der Beschlüsse in der KBV-VV vom 07.12.12 finden ab sofort alle niedergelassenen Fachärzte  ihre  eigene Interessensvertretung im  Bundesverband niedergelassener Fachärzte (BVNF).

»Die Erfahrungen in Bayern haben gezeigt: Nur mit einem fachgruppenübergreifenden Verband auf Bundesebene, der das paralysierende Gegeneinander der Partikular-Interessen überwinden und die gemeinsamen Interessen der niedergelassenen Fachärzte als Freiberufler und Selbstständige deutschlandweit bündeln kann, werden wir in der Lage sein, die Existenz unserer Facharztpraxen zu sichern. Dabei ist es dringend notwendig, eine nachhaltige Stärkung der fachärztlichen Grundversorgung voranzubringen.« – so Wolfgang Bärtl, der Vorstandssprecher des Bayerischen Facharztverbands (BFAV) und gleichzeitig auch Interims-Vorsitzender des neu gegründeten Bundesverbands niedergelassener Fachärzte (BVNF) ist.

»Und«, so Bärtl weiter, »das ist auch dringend überfällig, denn für die Zukunft der niedergelassenen Facharzt-Praxen, steht es jetzt 5 vor 12!«

Der neue fachübergreifende Facharztverband vertritt bundesweit die gemeinsamen Interessen aller niedergelassener Fachärzte, insbesondere  der ambulanten fachärztlichen Grundversorger aller Fachgruppen, ohne jedoch die hoch spezialisierten Fachärzte aus dem Auge zu verlieren, denn die fachärztliche Versorgung im ambulanten Bereich insgesamt stellt den wesentlichen Gegenpol gegen die Übergriffe der inzwischen in der Hand von Verwaltern durchökonomisierten Klinikmedizin dar.

Der BVNF versteht sich dabei nicht als Konkurrenz zu den fachgruppenspezifischen Berufsverbänden, sondern vielmehr als notwendiges Bindeglied und gemeinsames Sprachrohr der niedergelassenen Fachärzte aller Fachgruppen, die sich für den Erhalt der ärztlichen Freiberuflichkeit und selbstständiger Praxen in der ambulanten fachärztlichen Versorgung einsetzen.

Gerade die sog. fachärztlichen Grundversorger, die für eine wohnortnahe fachärztliche Versorgung auf dem flachen Land unabdingbar sind, haben laut Einschätzung Bärtls bei den Honorarreformen bisher stets verloren. Sie wurden „zerrieben zwischen den Interessen der Hausärzte auf der einen Seite, und den Interessen der hochspezialisierten Fachärzte sowie der über MVZ zunehmend in die ambulante Versorgung expandierenden Kliniken und Klinik-Konzerne auf der anderen Seite“, beklagt der niedergelasssene Orthopäde aus der Oberpfalz.

Es wurden immer neue hochspezialisierte Leistungen ohne entsprechende Gegenfinanzierung in den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) gedrückt, und das ruinöse „Hamsterrad“ expandierender Leistungserbringung bei gedeckeltem Gesamt-Budget angeworfen. Dadurch wurden die Regelleistungsvolumen und damit die finanzielle Basis der Grundversorgung immer mehr reduziert, und so die wirtschaftliche Überlebensgrundlage vieler Facharztpraxen, insbesondere solcher mit konservativem gegenüber operativem Behandlungsspektrum oder mit hohem Anteil an Gesprächsleistungen gegenüber delegierbaren technischen Leistungen zunehmend bedroht.

Hauptanliegen des BVNF ist es, diese Fehlentwicklung zu korrigieren. Dies sei effektiv nur auf Bundesebene wirksam möglich, so die Erkenntnis Bärtls aus mehrjähriger Erfahrung in Bayern als Sprecher des BFAV.

In diesem Sinne vertritt der BVNF die folgenden Kern-Ziele:

  • Feste und angemessene Preise für ärztliche Leistungen
  • Stärkung der fachärztlichen ambulanten Grundversorgung
  • Erhalt der wohnortnahen fachärztlichen Versorgung in freiberuflicher und selbstständiger Tätigkeit
  • Abschaffung aller Regresse und Budgetierungen
  • Verteidigung der ärztlichen Diagnose- und Therapie-Freiheit

Durch die Umsetzung der Kernforderung: „Feste und angemessene Preise für fachärztliche Leistungen ohne Budgetierung und Regressdrohungen“, können unsere Praxen wieder Planungssicherheit erhalten.

Nur so wird die selbstständige Niederlassung in der ambulanten fachärztlichen Versorgung wieder attraktiv werden.

Und nur so werden unsere Praxen auch wieder Nachfolger finden, welche die hohe Qualität der ambulanten fachärztlichen Versorgung in Deutschland auch in Zukunft für unsere Patienten flächendeckend erhalten können.

Der BVNF kämpft gegen bürokratische Bevormundung, sowohl von uns Ärzten als auch von unseren Patienten. Das wertvollste Gut in unseren  Praxen – die vertrauensvolle Arzt-Patientenbeziehung – muss erhalten bleiben.

Nur durch die Mitverantwortung der Patienten kann es gelingen, ein freies, gerechtes und auch in Zukunft finanzierbares Gesundheitssystem zu schaffen.

Der BVNF tritt daher ein für ein transparentes, sozial abgefedertes  Kostenerstattungssystem mit direktem Vertragsverhältnis zwischen Ärzten und Patienten.

„Wir sind überzeugt, dass der BVNF die in Bayern bereits begonnene erfolgreiche Arbeit des BFAV in einem breiteren bundesweiten Kontext umzusetzen wird“, so Wolfgang Bärtl, „und wir haben bereits zahlreiche Signale, dass wir auch in weiteren Bundesländern interessierte und tatkräftige Kollegen finden, die den BVNF als Plattform für ihr berufspolitisches Engagement nutzen werden“.

 

BVNF im Dezember 2012

 

 

Die ärztliche Tätigkeit ist ein freier Beruf und muss es bleiben

Die persönliche Haftung dem Patienten gegenüber ist neben der freien Arztwahl der entscheidende Prüfstein für die Qualität der ärztlichen Arbeit.

Doch kommerzialisierte medizinische Versorgungszentren in der Hand von Nicht-Ärzten und eine zentral gesteuerte Staatsmedizin bedrohen die von uns gesetzten Qualitätsstandards im Gesundheitswesen. Deshalb wollen wir, auch in Ihrem Namen, die Fachärzte vertreten und auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene eine politisch schlagkräftige Organisation etablieren.

Bessere Strukturen schaffen

Wir setzen auf Basisdemokratie und Kommunikation.

Vor Ort bestimmen persönliche Kontakte und gelebtes Vertrauen die Arbeit am Patienten und mit den Kollegen.

Langfristig hängt unsere Position einzig und allein von dem politischen Druck ab, den wir zu erzeugen bereit sind.

Lassen Sie uns gemeinsam dafür einstehen und werden Sie Mitglied im Bundesverband niedergelassener Fachärzte.

Ziele des Bundverbandes

  1. Erhalt der Freiberuflichkeit des Arztberufes und Selb­­ständig­­keit zum Erhalt der patientenorientierten wohnortnahen fachärztlichen Versorgung.
  2. Unmittelbares Vertragsverhältnis zwischen Arzt und Patient. Transparente Direktabrechnung nach GOÄ, die fachgruppen­spezifisch, nachvollziehbar und dynamisch weiterentwickelt wird.
  3. Beseitigung von Regelleistungsvolumina, Budgets Regressen und anderen rationierenden Maßnahmen in der Patienten- versorgung durch Abschaffung SGB V. Das Vertrags­­verhältnis zwischen Arzt und Patient regelt das BGB.
  4. Weiterentwicklung  der fachärztlich-berufspolitischen Interessensvertretung in einen fachgruppenübergreifenden Verband aller niedergelassenen Fachärzte
  5. Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Status der KV
  6. Leitung und Besitz von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) durch freiberufliche und selbständige Ärzte. Wir lehnen Medizinische Versorgungzentren ab, die allein von Kliniken, Krankenkassen oder Kapitalgesellschaften betrieben werden.
  7. Keine Einführung der E-card, keine zwangsweise online Anbindung der Praxen an zentrale Server. Unseren Patienten muss die Selbstbestimmung und Kontrolle über ihre Daten erhalten bleiben.
  8. Miteinander von Haus- und Fachärzten  für eine optimale Patientenversorgung und zur Durchsetzung gemeinsamer Ziele.