Donnerstag, 23. August 2018 · 14:18 Uhr

»Almosenmedizin«

„Vor dem Hintergrund, dass niedergelassene Fachärzte in der Grundversorgung ganz besonders unter der Budgetierung leiden und nach den Ergebnissen des Neubauer-Gutachtens in vielen Regionen längst keinen betriebswirtschaftlich rentablen Praxisbetrieb mehr zulassen, ist das Ergebnis der aktuellen Honorarverhandlungen für 2019 ein weiterer Mühlstein um den Hals vieler Praxisinhaber, die sich bemühen, die Versorgung ihrer Kassenpatienten, trotz aller Widrigkeiten, aufrechtzuerhalten“, beklagt der Sprecher des Bayerischen Facharztverbandes (BFAV), der Orthopäde Dr. Wolfgang Bärtl, angesichts des erzielten Honorarverhandlungsergebnisses von 1,58 Prozent.

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Der Orientierungswert liege damit unter der Preissteigerungsrate von derzeit 2 Prozent. Damit lassen sich nicht einmal die Gehaltssteigerungen der medizinischen Fachangestellten auffangen, die in den letzten Jahren 2,6 Prozent (2017) und 2,2 Prozent (2018) betrugen.

„In Anbetracht dieser erneuten Defizitrunde muten die Absichten von Gesundheitsministers Jens Spahn, die Leistungsanforderungen ohne konkrete Gegenfinanzierung erhöhen zu wollen, als Angriff auf die Praxen aller niedergelassenen Ärzte an“, wundert sich die BVAV-Vorsitzende, Internistin Dr. Ilka Enger, über diese „Almosenmedizin, mit der die Partner im Gesundheitswesen die Ärzteschaft abspeisen. Die Krankenkassen lassen trotz voller Kassen mit diesem Ergebnis jeglichen Respekt vor unserer Arbeit vermissen.“

Ein beschämendes und ungenügendes Ergebnis, das den Druck der von der Budgetierung besonders hart getroffenen fachärztlichen Grundversorgung weg von der lächerlich bezahlten Kassenmedizin hin zur individuellen Selbstzahlermedizin weiter erhöhen wird. Schnellere Termine, mehr Sprechstunden und eine weitere Übererfüllung unserer Leistungen bleiben unter diesen Vorzeichen eine fromme Wunschvorstellung, so befürchtet der Bayerische Facharztverband.