Dienstag, 27. März 2018 · 09:59 Uhr

Spahns Erkenntnis: Mehr Arbeit gibt es nur für mehr Geld

Dr. Ilka Enger

Die Aussage des neuen Gesundheitsministers, Ärzte sollten „zumindest nicht bestraft werden“, wenn sie sich um zusätzliche Patienten kümmern, ist für den bayerischen Fachärzteverband (BFAV) ein Zeichen, dass die Politik zu verstehen beginnt.

„Seit Jahren weist unser Verband die Politik darauf hin, dass man ohne angemessene Vergütung ärztlicher Arbeit keine adäquate Behandlung des Patienten erwarten kann, erklärt Ilka Enger, Vorsitzende des BFAV. „Die Aussage des Gesundheitsministers interpretieren wir so, dass er auch der Meinung ist, dass sich ärztliche Leistung wieder lohnen muss.“

Der BFAV freue sich, dass Spahn damit die langjährige Forderung des Verbandes nach einer angemessenen Vergütung nun pragmatisch als Projekt seiner Tätigkeit als Gesundheitsminister aufgreift. In seiner Antrittsrede habe der neue Gesundheitsminister auch einer gemeinsamen Gebührenordnung und einer Zusammenlegung von PKV und GKV eine eindeutige Absage erteilt.

„Es ist richtig, dass Gesundheitsminister Spahn keine abstrakten Systemdiskussion in diesem Zusammenhang führen will“, unterstützt Wolfgang Bärtl die Aussage des Gesundheitsministers. „Wir brauchen schnell eine planbare finanzielle Sicherheit für unsere Praxen, um auch die Versorgung in ländlichen Regionen zu sichern. Deshalb fordern wir die Politik auf, die Aufhebung der Budgetierung – zumindest zunächst in der Grundversorgung – als Sofortmaßnahme umzusetzen.“

Diese Maßnahme werde dazu beitragen, den Arztberuf wieder so attraktiv zu machen, dass man auf die geplanten Zwangsmaßnahmen dann getrost verzichten könne.
„Ein Ausbau der Terminservicestellen zu einem Rund-um-die-Uhr-Angebot oder eine Steigerung der Präsenzsprech-stundenzeiten löst unseres Erachtens das Problem nicht“, ergänzt Ilka Enger. „Zielführender ist es, dafür zu sorgen, dass die Behandlung von Notfallpatienten nicht zu einem finanziellen Risiko für die Arztpraxen wird und die Kollegen für mehr Arbeit an mehr Patienten nicht auch noch bestraft werden. Das hat Herr Spahn durchaus richtig erkannt.“

Der BFAV habe hier bereits vor Jahren einen Antrag in die Vertreterversammlung der kassenärztlichen Bundesvereinigung eingebracht, dass Unfälle und Notfälle in den Praxen der niedergelassenen außerhalb des Budgets vergütet werden sollen.

„Mit diesem Konzept würden auch Forderungen nach einer Portalpraxenabdeckung über 24 Stunden in unzureichend ausgestatteten „Notpraxen“ unnötig,“ ist Bärtl überzeugt. „Statt einer „doppelten Notversorgungsschiene“ würden die Patienten von einer echten fachärztlichen Versorgung in gut ausgestatteten Praxen profitieren.“