Mittwoch, 07. Februar 2018 · 07:29 Uhr

Sprachlos! – Niedergelassene Fachärzte in Bayern ohne Stimme im BLÄK-Präsidium

Dr. Karl Ebertseder, Nervenarzt, Augsburg

Mit dem Hausarzt Dr. Gerald Quitterer als neuem Präsidenten (nach dem Ausscheiden von Dr. Max Kaplan) und dem Klinik-Arzt Dr. Andreas Botzlar als dessen 1. Stellvertreter kürte die Delegiertenversammlung der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) am 03.02.2018 eine neue Führung.

Damit stehen an der Spitze der BLÄK künftig ein ausgewiesener Vertreter des Bayerischen Hausärzteverbands und ein ebenso prominenter Vertreter der Interessenvertretung der Klinikärzte, des Marburger Bund. Der als 2. Stellvertreter wiedergewählte Dr. Wolfgang Rechl, hausärztlicher Internist aus Weiden, soll weiterhin die niedergelassenen Fachärzte im Präsidium der BLÄK repräsentieren. Im insgesamt 15-köpfigen Vorstand der BLÄK - neben den 3 Präsidiumsmitgliedern sind das die Vorsitzenden der ärztlichen Bezirksverbände und weitere 6 Mitglieder, gewählt aus der Delegiertenversammlung – sind gerade mal zwei weitere niedergelassene Fachärzte.

Die rund 12.000 niedergelassenen Fachärzte in Bayern sind somit in der Landesärztekammer marginalisiert. Ihre Interessen, auch in der Bundesärztekammer z.B. bei der für unsere Praxen so wichtigen Weiterentwicklung der GOÄ, sollen künftig also von einer Koalition des Bayerischen Hausärzteverbands mit dem Marburger Bunds in der BLÄK wahrgenommen werden.

Ein Super-GAU für die Fachärzte in Bayern!

Wie konnte es dazu kommen? An Persönlichkeiten, die vorgeben, die Belange der niedergelassenen Fachärzte berufspoltisch und in den Gremien von Kammer und Selbstverwaltung zu repräsentieren, mangelt es eigentlich nicht. Was offensichtlich fehlt, ist Geschlossenheit und Durchsetzungskraft in den Reihen der niedergelassenen Fachärzte, die Ziele der Kollegen gemeinsam wahrzunehmen.

Ein wesentlicher Grund für diese äußerst schwache Interessenvertretung der niedergelassenen Fachärzte liegt in der mangelnden Integrationsfähigkeit und Ausgrenzungspolitik maßgeblicher Vertreter der fachärztlichen Berufsverbände unter der Ägide von Dr. Pedro Schmelz und Dr. Andreas Hellmann. So wiederholt sich jetzt in der BLÄK, was wir letztes Jahr bereits in der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) erleben mussten: Die niedergelassenen Fachärzte finden sich in den Selbstverwaltungsgremien nur noch in einer Statistenrolle wieder.

Wenn es den Facharzt-Verbänden nicht rasch gelingt, die alten Zöpfe abzuschneiden und einen Neuanfang mit einer gemeinsamen, integrationsfähigen Führungsmannschaft zu wagen, werden wir niedergelassene Fachärzte als relevante Gruppierung bei Politik und Öffentlichkeit nicht mehr wahrgenommen. Nötiger denn je ist es jetzt deshalb, dass alle fachärztlichen Berufsverbände an einem gemeinsamen Tisch zusammen finden, und der niedergelassenen Fachärzteschaft in Bayern wieder eine gemeinsame und in der Öffentlichkeit vernehmbare Stimme zu geben. Nur gemeinsam sind wir stark. Der BFAV steht dazu bereit.