Samstag, 28. Oktober 2017 · 16:14 Uhr

BVNF steht für Arbeitgeber und Selbständige – Berufsverbände in der Zerreißprobe

Der ärztliche Unternehmerverband bietet klare Interessenvertretung. Der stete Zuwachs angestellter Ärzte im ambulanten Sektor veranlasst den Marburger Bund als gewerkschaftliche Organisation auf die Gestaltung der Selbstverwaltung, insbesondere die Honorarverteilung und die Vergütung der Leistungen angestellter Ärzte, in der Kassenärztlichen Vereinigung (KV)künftig stärkeren Einfluss zu nehmen.

Für den Bundesverband der niedergelassenen Fachärzte (BVNF) und den Bayerischen Facharztverband (BFAV) ist diese Entwicklung keine Überraschung und erst recht ein Grund, uns im Interesse der niedergelassenen Unternehmerfachärzte klar für die Kollegen als Alternative zu den althergebrachten Berufsverbänden zu positionieren“, kommentiert der BVNF-Sprecher, der Orthopäde Dr. Wolfgang Bärtl, die Initiative der Gewerkschaft als Vertreter der selbständigen Praxisinhaber und Arbeitgeber.

In Arztpraxen, Berufsausübungsgemeinschaften, Medizinischen Versorgungszentren und sonstigen Einrichtungen der vertragsärztlichen Versorgung waren laut Bundesarztregister Ende des Jahres 2016 bereits rund 29.000 angestellte Ärztinnen und Ärzte tätig. Deutlich mehr als die Hälfte der ambulant Angestellten sind Ärztinnen. Parallel dazu sank die Anzahl der Vertragsärzte insgesamt innerhalb des Jahres 2016 um 1.200 auf nunmehr rund 107.000. Für Bärtl ist damit klar, dass sich der Kampf um Honoraranteile innerhalb der KV-Strukturen weiter verschärfen wird. „Deshalb brauchen wir eine starke eigenständige Organisation der Unternehmerärzte, um auf Augenhöhe mit der sog. Ärzte-Gewerkschaft, Klinikkonzernen und Politik die Interessen der niedergelassenen, selbständigen Praxisärzte vertreten zu können“, so Bärtl. Dazu werde die KV-Körperschaft auf Landes- wie Bundesebene künftig noch stärker als bisher zum Kampffeld in der Verteilung knapper Budgets, die es letztendlich abzuschaffen gilt.

Lähmender Interessenskonflikt

Die alten Berufsverbände seien dazu aufgrund dieser horizontalen Aufsplitterung in Arbeitgeber und Angestellte, wie auch wegen des vertikalen Universalvertretungsanspruches aller Ärzte im Fachgebiet, nicht in der Lage, wie es sich seit Jahren durch den Niedergang und schwindenden Einfluss auf politische Entscheidungen zeige. Der BVNF/BFAV habe sich dagegen seit seiner Gründung klar auf die niedergelassenen Unternehmerärzte und ihre Probleme fokussiert und sieht sich durch die Ankündigungen des Marburger Bundes in diesem Alleinstellungsmerkmal bestätigt.