Montag, 18. September 2017 · 10:25 Uhr

Total regional: Bündnis zur Grundversorgung – Fachärzte im Schulterschluss mit Kommunalpolitikern

Die Lücken in der Gesundheitsversorgung strukturschwacher Regionen, gravierende Probleme im Notdienst der kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KBV) und die fortgesetzte Budgetierung von Grundleistungen – das waren die brennenden Themen die beim 5. Bayerischen Fachärztetag Mitglieder und Gäste des Bayerischen Facharztverbandes (BFAV) gemeinsam mit der bayerischen Gesundheitsministerin Melanie Huml, dem gesundheitspolitischen Sprecher der CSU-Landtagsfraktion Bernhard Seidenath, dem FW-Fraktionschef Hubert Aiwanger und mit Landräten und Bürgermeistern der besonders betroffenen Kommunen abzuarbeiten hatten. Das Ergebnis ist »Ärzte für die Regionen« eine übergreifende Allianz jenseits der bürokratischen KV-Strukturen und eingeigelter Berufsverbände. Das gemeinsame Ziel ist die Sicherstellung der medizinischen Grundversorgung in der Region.

»Und das geht nur gemeinsam! Es geht nicht um einen Verband und eine Berufsgruppe, sondern um den Patienten, es geht um den Erstkontakt in der Grundversorgung, insbesondere auch beim Facharzt «, so macht Dr. Wolfgang Bärtl, Sprecher des BFAV vor weit mehr als 100 Kollegen, Landräten und Bürgermeistern in seinem Impulsreferat zur »medizinischen Versorgung in der Zukunft – eine Aufgabe für die Regionen?« deutlich. Mit einem klaren Ausrufezeichen signalisiert Huml Unterstützung für die niedergelassenen Kollegen. »Der niedergelassene Facharzt in der Fläche ist unverzichtbar!« Statt sich im Grabenkampf mit realitätsfernen Funktionären aufzureiben, »geht unser Blick beim BFAV nach vorne«, wie die vormalige 2. stellv. Vorsitzende der KVB die brüske Ablehnung jeder Zusammenarbeit mit Fachärzten zur Behebung der Lücken in der Grundversorgung durch den Hausärzteverbandsvorsitzenden Ulrich Weigeldt bedauert. »Es geht nicht darum die Pfründe von Funktionären zu sichern, sondern das Wohl unserer Patienten, egal ob der Haus- oder Facharzt sie behandelt.«

Ungehörte Hilferufe

Die Hilferufe der Landräte und Bürgermeister zur Unterstützung bei der Suche nach Praxisnachfolgern verhallen offenbar ungehört in den weiten Fluren der KVB, so die beispielhaften Klagen der Kommunalpolitiker. Ebenso scheinen die Beschwerden zahlreicher Ärzte zum KV-Notdienst nicht zu fruchten, so zumindest der Eindruck, den die Podiumsdiskussion mit betroffenen Ärzten und Bürgermeistern hinterlässt. Die Diskussion dazu blieb einseitig, weil die KVB fernblieb. Ebenso die SPD, die auf Einladung des BFAV keinen Vertreter zu der Veranstaltung entsenden wollte, um sich dem politischen Diskurs über die Aufrechterhaltung einer flächendeckenden Versorgung einer älter werdenden Bevölkerung bei fortgesetzter Budgetierung zu stellen.

Budgetierung bleibt Problem

Zur Stützung des GKV-Systems sei die Private Krankenversicherung unabdingbar, so warnt auch der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Günter Neubauer, Institut für Gesundheitsökonomik, in seinem Vortrag zu den »wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der fachärztlichen Grundversorgung in den Regionen Bayerns« eindringlich vor der Abschaffung des dualen Finanzierungssystems und vor den Folgen der Budgetierung für das flache Land: »Nicht die Arbeit, das Geld geht aus«. Es gehe demgemäß nicht darum »Ärzte arm oder reich zu rechnen, sondern eine höhere Attraktivität zur Sicherstellung der ambulanten Leistungen zu schaffen, erläutert er die Zahlen aus seinem Gutachten zur Einkommenssituation der niedergelassenen Ärzte. »Grundleistungen sind nicht einsparbar« appelliert Bärtl an die Ministerin, die allerdings wenig Hoffnung auf eine konkrete Unterstützung zur Abschaffung des Budgets machen wollte. Sie sieht hier in der Politik »noch nicht viele Verbündete« und Geld stehe nicht unendlich zur Verfügung. Mit speziellen Sicherstellungszuschlägen könne geholfen werden - darüber könne man nachdenken. In jedem Fall will sie die Bedarfsplanung stärker an regionale Gegebenheiten anpassen. Da diese Aufgabe offenbar die KV überfordere, so Enger; sieht sich der BFAV gehalten, zusammen mit Haus- und Fachärzten und den verantwortlichen Politikern vor Ort kleinräumig passende Lösungen zu erarbeiten, damit Ärzte in die Regionen zu ihren Patienten kommen. Die nächsten Veranstaltungen in betroffenen Regionen sind beim BFAV bereits in der Pipeline.