Montag, 07. August 2017 · 10:25 Uhr

»Alles in Butter in KV - Deutschland?«

Dr. Wolfgang Bärtl, Orthopäde, Neumarkt

Die Zi - Daten 2015 für die Umsätze und Erträge der Ärzte suggerieren auf den ersten Blick wie gewohnt Zufriedenheit bei den Ärzten und Neid bei den Betrachtern. Bei näherem Hinsehen jedoch zeigen sich alarmierende Entwicklungen, die die Fehlleistungen der Körperschaften bei der Honorargewinnung und - verteilung belegen.

Der durchschnittliche Überschuss/Arzt wirkt mit 160 820 EUR auf den ersten Blick recht komfortabel und wird uns bestimmt wieder bei Honorarforderungen um die Ohren geschlagen. Die viel wichtigere Detailanalyse, welche Praxen und wieviele diese Durchschnittswerte erreichen, unterlässt das ZI als »Honorar- Verschleierungsinstitut der KBV« wohl wissentlich.

Das beste Beispiel war die Beerdigung des Neubauer- GA, das von der KVB zur Weichspülung und Entfremdung an das ZI übergeben wurde. Die daraus entwickelte »Kampfbroschüre« hat wohl zwischenzeitlich bei allen Adressaten die Rundablage unter den Schreibtischen erreicht. Wir wissen aus diesem GA, dass die Fachärzte der allgemeinen fachärztlichen Versorgungsebene (Grundversorgung) in den Regionen weit davon entfernt sind, dieses Arzteinkommen zu erzielen. Ganz im Gegenteil. Wer zwischen den Zahlen lesen kann, wird eine galoppierende Verschlechterung für die Grundversorgung erkennen.

10 % Umsatzsteigerung bei 9% Kostensteigerung in 4 Jahren bedeuten bei einem durchschnittlichen Kostensatz von 58 % einen realen Einkommenszuwachs von 1,19 % Jahr, der noch deutlicher unter der Reallohnentwicklung von 2,4 % liegt als angegeben. Personalintensive Praxen der patientenzugewandten Grundversorgung kehren mit einer doppelt so hohen Personalkostenentwicklung (18%) dieses magere Plus definitiv in einen Einkommensverlust um.

Fatales und für Betriebswirte untrügliches Zeichen dieser Abwärtsentwicklung der Praxen ist der zunehmende Investitionsstau und die mangelnde Investitionsbereitschaft über Leasing bzw. Mieten. Noch schlimmer ist die galoppierende Entwicklung dieses Abwärtstrends. Von den 14,4 % Abnahme zwischen 2012 und 2015 fielen allein minus 5,9 % in das Jahr 2015 zu 2014. Entsprechend grassierende Abnahme der Investitonsbereitschaft zeigten die Praxen bei Miete und Leasing von Geräten. Hier fielen von den minus 4,6% zwischen 2012 und 2015 allein - 3,6% in das Jahr 2015.

Wenn diese Entwicklung so weiter grassiert, werden die Praxen bald als ausgeschlachtete "cash-cows " zur Übernahme für den symbolischen Euro reif geschossen sein - und - die Kassenärztlichen Vereinigungen veröffentlichen wie jedes Jahr den Zi - Jahresbericht und suggerieren der Öffentlichkeit:
»Alles in Butter in KV - Deutschland«