Mittwoch, 19. Juli 2017 · 11:53 Uhr

»Weiße Ritter – Wenn der GBA hinterherhinkt«

Dr. Gernot Petzold, Augenarzt, Kulmbach

Nach dem Stakkato neuer gesundheitspolitischer Gesetze in 2016 ist seit geraumer Zeit der gemeinsame Bundesausschuss (GBA) gefragt, diese zeitnah umzusetzen. Dies betrifft insbesondere die noch zu regelnden Verfahren und Kriterien zur Zweitmeinung vor Operationen. Inzwischen versuchen Kliniken, die sich im Fokus sehen, diese Grauzone zu ihrem Vorteil zu nutzen und ihr Haus aus der potentiellen Schusslinie zu nehmen, indem sie sich gleich selbst als Zweitmeinungszentren deklarieren, nicht ohne zu betonen, dass es „die Anderen“, die niedergelassenen Belegärzte, wären, die zu schnell zu operativen bzw. interventionellen Maßnahmen greifen.

Ein Element der von Bundesgesundheitsminister Gröhe initiierten Gesetzgebung ist die Möglichkeit der Patienten, sich vor anstehenden Operationen und invasiven Eingriffen eine Zweitmeinung einholen zu können und sich so abzusichern, dass der Eingriff wirklich notwendig ist. Das war zwar seit jeher durch Besuch eines weiteren Facharztes sowieso möglich, soll wohl aber eine Maßnahme zur Eindämmung in den letzten Jahren bundesweit zunehmender operativer Eingriffe sein. Im Fokus stehen damit automatisch die Spitzenreiter der Mengenzunahme, wie die Implantat-Chirurgie in der Orthopädie und minimalinvasive, kardiologische Eingriffe.

Der GBA ist nun gefragt, klare Richtlinien im Zweitmeinungsverfahren umzusetzen. Wesentliche Eckpunkte sollen die genaue personelle Benennung von Ansprechpartnern sein, die dann aber die fraglichen Eingriffe an diesem Patienten nicht selbst durchführen dürfen. In diesem Zusammenhang muss auch mit den Verhandlungspartnern der Selbstverwaltung die entsprechende Vergütung für diese Leistung festgelegt werden.

Dass hier viele Interessen aufeinandertreffen, steht außer Frage. Aber der GBA muss nun einen Beschluss fassen, um Klarheit über die Art der Operationen und die Qualifikationen der Zweitgutachter zu schaffen.

Wird der GBA dieser dringlichen Aufgabe nicht zeitnah nachkommen, werden manche Kliniken dieses Intervall nutzen, ihr Image aufzupolieren und sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, wie ein aktuelles Beispiel aus dem Regensburger Wochenblatt über die Asklepios Klinik Bad Abbach zeigte. Mit Attributen  wie „einer der renommiertesten Ärzte Deutschlands“, „Kniepapst“ und „erstes Zweitmeinungszentrum Deutschlands“ preschen Klinikchefs vor und sind sich auf der anderen Seite nicht zu schade ist, mit dem Finger auf andere niedergelassene Kollegen zu zeigen, um sich als „weiße Ritter“ hervorzuheben.