Freitag, 23. Juni 2017 · 08:13 Uhr

»Wagenburgmentalität bei der Grundversorgung beenden«

Dr. Wolfgang Bärtl, Vorsitzender des BFAV

Bayerischer Fachärzteverband treibt SpiFa voran und fordert die rasche Umsetzung in den KV-Gremien. „Fachärzte driften nicht ab - sondern sind in der Grundversorgung faktisch längst unverzichtbar angekommen,“ so lautet die Antwort von Bayerischer Facharztverband-Sprecher Dr. Wolfgang Bärtl auf die Aussagen von CDU MdB Dietrich Monstadt beim Hauptstadtkongress.

Bärtl verweist hier auf die Entwicklung mit kontinuierlichen Fallzahlsteigerungen im fachärztlichen Versorgungsbereich - je basisnäher, - also auf allgemeiner fachärztlicher Versorgungsebene, konservativ und patientenzugewandt (GOUDAH) - und je regionaler - umso mehr. „Waren vor 10 Jahren noch 80 % der Patienten mit Überweisung durch den Hausarzt – bevorzugen heute 80 % der Patienten den direkten Zugang um niedergelassenen Facharzt,“ so der in Neumarkt /Opf. tätige Orthopäde. Nahezu 70 % aller ambulanten Behandlungsanlässe fänden bei niedergelassenen Fachärzten statt. Immer weniger und älter werdende Hausärzte könnten den Andrang diese Massen nicht mehr steuern. Diese würden in die Notfallambulanzen der Kliniken laufen, „wo kaum ein Problem final gelöst, sondern nur mit Weiterbehandlungsaufträgen an den niedergelassenen Facharzt verlagert wird“, kritisiert der Bayerische Facharztverband-Sprecher.

Realität vor Wunschdenken

"Hier klafften Wunschvorstellung und Realität mancher Berufspolitiker weit auseinander,"weist Frau Dr.Enger, 2. Vorsitzende des Facharztverbandes die harsche Kritik mit der der Hausärzteverband auf den Vorstoß des Spitzenverbandes Fachärzte reagiert hat, entschieden zurück. Dort wo Hausärzte mangels Nachwuchs und Überalterung Lücken verursachten, kompensierten niedergelassene Fachärzte dies seit Jahren in zunehmenden Maße im Sinne der Grundversorgung. Auch beim allgemeinen ärztlichen Bereitschaftsdienst erhielten dann „willkommener Weise“ Fachärzte eine für den Dienst begrenzte "Fahrerlaubnis" vom Chef des Hausärzteverbandes.“, der sie unlängst als " Fahrer ohne Führerschein" titulierte." Unter Kenntnis dieser Fakten zeuge es von Arroganz und völliger Verkennung der Realität, den niedergelassenen Fachärzten den Anspruch auf "Grundversorgung" im ambulanten System abzusprechen. Vielmehr spiegele dieser Abwehrreflex nur das alte Spiel der Angst vor Verteilungskämpfen wider, wovon der Patient, der eigentlich im Zentrum unserer Bemühungen stehen sollte, am Ende gar nichts haben wird. Der Bayerischer Facharztverband-Sprecher appelliert deshalb an die Beteiligten: „Helfen wir lieber vor Ort zusammen! Jeder sollte das tun, wovon er am meisten versteht - denn das kann er am besten und effektivsten für unsere Patienten. Die zentrale Forderung muss lauten, dass hierfür die Budgetierung fallen muss - egal ob für Haus- oder Fachärzte! Mit einer Wagenburgmentalität kommen wir keinen Deut weiter!, warnt Bärtl abschliessend.