Mittwoch, 14. Juni 2017 · 10:54 Uhr

»Verzahnung ohne Überbiss« – Fachärzte kämpfen für mehr Versorgungskompetenz in den Regionen

BVNF Vorsitzender, Dr. Wolfgang Bärtl

Der Bundesverband niedergelassener Fachärzte (BVNF) will künftig individuelle, passgenaue Lösungen für die Regionen statt erstarrter zentralistischer Strukturen. Eine sinnvolle Vernetzung der Sektoren für eine gemeinsame Versorgung der Patienten vor Ort sei „besser als eine Verzahnung mit Überbiss“ erinnert der BVNF – Vorsitzende, Dr. Wolfgang Bärtl, angesichts der immer weiter erodierenden Sicherstellung der ambulanten haus- und fachärztlichen Versorgung in den Regionen den Gesetzgeber daran, Versorgungsstrukturen vor Ort mehr Kompetenz und Verantwortung bei der Organisation zukommen zu lassen.

Die Verhältnisse seien von Region zu Region sehr unterschiedlich. Für die „Grundversorgung der Bevölkerung arbeiten Fachärzte und Hausärzte vor Ort Hand in Hand, wobei je nach Zusammensetzung der Versorgungsstruktur mal die eine mal die andere Versorgungsebene mehr gefordert werde. Gibt es weniger Hausärzte, dann müssen auch die Fachärzte stärker in das Versorgungsgeschehen eingreifen und umgekehrt“, erläutert Ilka Enger, Mitglied des BVNF-Vorstandes. „Entscheidend ist doch, dass der Patient im Mittelpunkt der ärztlichen Bemühungen steht und der leidet durch den durch eine verfehlte Sparpolitik induzierten Ärztemangel schon genug.“

In den kommenden Jahren werde sich der Hausärzte-, aber auch der Fachärztemangel, noch deutlich verschärfen. Hier sei eine vernünftige Arbeitsteilung notwendig, um die ärztliche Versorgung in den Regionen insgesamt noch halbwegs sicherstellen zu können. Wenn man gleiche Lebens- und damit auch „Gesundheitsbedingungen“ in ganz Deutschland bieten möchte, komme man an individuellen, passgenauen, kleinteiligen Lösungen nicht mehr vorbei. Die kommunale Politik fordere dies vehement ein, wie der hilflose Hilferuf des NSGB deutlich zeige.

„Wir Ärzte am Ort sitzen mit der kommunalen Politik und unseren Patienten in einem Boot“, so Bärtl. „Deshalb fordern wir, dass wir zur Optimierung der Versorgung in den Regionen mit am Tisch sitzen müssen.“

Klare Bedingungen

Ärzte brauchen juristisch sichere und berechenbare betriebswirtschaftliche Bedingungen, um gemeinsam in entsprechenden Verbundstrukturen die Verantwortung für die Versorgung der Bürger ihrer Region übernehmen zu können - und zwar sowohl für die Regelversorgung als auch für die Versorgung außerhalb der Sprechstundenzeit im Notfall.

„Wie diese Strukturen aussehen müssen, wie ambulante und stationäre Versorger in diese Strukturen eingebunden werden, muss in Zukunft vor Ort entschieden werden - nur in kleinen Strukturen ist eine effiziente Arbeit möglich. Und diese Arbeit muss auch wieder so honoriert werden, dass unsere Praxen und Krankenhäuser betriebswirtschaftlich sicher kalkulieren können und nicht auf unzureichende Förder-Almosen angewiesen sind“, ergänzt Ilka Enger.