»Fast Nacht für Patienten«
BFAV fordert mehr Ehrlichkeit im Umgang mit den leistungstragenden Fachärzten
Dr. Klaus Stefan Holler, HNO-Arzt und Vorstand des Bayerischen Facharztverbandes (BFAV) warnt eindringlich vor „politischer Fastnacht“ auf dem Rücken der Patienten. „Wenn Latrinenparolen die Versorgung mit politischen Pöbeleien, populistischen Verkürzungen und gezielten Falschbehauptungen die Bevölkerung verunsichern – vorgetragen von gescheiterten Ampel-Protagonisten, vorgeblichen Patientenschützern, und den „Elferräten“ der Krankenkassenvorstände und leider auch vom Bundesrechnungshof, dann ist das keine Faschingsgaudi sondern beschreibt eine düstere Fast-Nacht für Patienten“, so die eindringliche Bitte an die Gesundheitspolitiker für mehr Ehrlichkeit im Umgang mit den leistungstragenden Fachärzten zu sorgen.
Während in diesen Tagen die fünfte Jahreszeit auf Hochtouren läuft, erleben die niedergelassenen Fachärztinnen und Fachärzte seit Monaten eine ganz andere Form der Fastnacht: „Was derzeit als angebliche Aufklärung verkauft wird, ist in Wahrheit eine Mischung aus Halbwissen, Zahlenakrobatik und bewusster Irreführung“, so Holler. Die Kampagne beschädige nicht nur den Ruf einer ganzen Berufsgruppe, „sondern gefährdet die medizinische Versorgung der Bevölkerung,“ beklagt Holler.
Kritik an Fake News
So gebe es die sogenannte „Doppelte Facharztschiene“ nachweislich nicht, ebenso wenig wie die behauptete Honorarverdopplung durch offene Sprechstunden. Irreführend sei auch die angebliche 42-Tage-Wartezeit auf Behandlungstermine. Alle Patienten mit taggleicher Terminvergabe wurden hier schlicht aus der Statistik herausgerechnet. Der Vorwurf überhöhter Honorare und hoher Praxiserträge sei angesichts einer Realität budgetierter Leistungen realitätsfern und allein von Sozialneid getrieben. Kleine, aber versorgungsnotwendige Landpraxen würden ausgeblendet, Gemeinschaftspraxiserträge nicht auf einzelne Ärzte heruntergerechnet. „Allein die HNO-Ärzteschaft versorgte zuletzt rund zwölf Prozent mehr Patientinnen und Patienten.“ Der „brutale Gag dieser politischen Fastnacht“ ist für Holler die sozialgesetzwidrige Drohung, bei angeblich nicht erfüllten Termingarantie-Vorgaben private Krankenhausbehandlungen auf Kosten niedergelassener Kolleginnen und Kollegen zu ermöglichen.
Klinik-Notstand
„Für mehrere Millionen Menschen in der Oberpfalz und in Niederbayern existiert jeweils genau eine HNO-Klinik, für die Dermatologie sogar nur eine einzige“, verweist der BFAV-Chef auf die drohenden Engpässe. Seit Jahren werde Patienten wie Ärzten Bürokratieabbau versprochen. In der Realität erlebten die Praxen das Gegenteil. „Das ist kein Reformprojekt, das ist Kabarett – bestenfalls geeignet für die „Fastnacht“, damit die drohende Dunkelheit der Fast-Nacht unsere Patienten nicht verschlingt“, hofft Holler auf Einsicht. Es sei deshalb dringende Aufgabe der Bundesregierung, endlich medizinische Realität über politische Inszenierung zu stellen.
