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»Wo nichts ist…« – Niedergelassene Fachärzte widersprechen Gemeindetag bei der Problemlösung

Ohne angemessene Honorierung kein Rechtsanspruch auf Arzt am Ort. Dass die ärztliche Versorgung auf dem Lande zur Mangelware wird, will der niedersächsische Gemeindetag per Rechtsanspruch mit Druck auf die Kassenärzte verhindern.

Ein untaugliches Zwangsmittel, so denkt man beim Bundesverband Niedergelassener Fachärzte (BVNF), denn der Sicherstellungsauftrag der Kassenärztlichen Vereinigung sei durch die Budgetierung von Leistungen für die Ärzte in der Grundversorgung faktisch längst nicht mehr wirtschaftlich darstellbar. „Wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren“, präzisiert BVNF-Sprecher, Dr. Wolfgang Bärtl, seine Kritik am Vorschlag des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebunds (NSGB), der das Problem verwaister Landpraxen jetzt mit einem Zwangsgesetz lösen will. „Wer glaubt, durch zwangsweise Landverschickung junger Mediziner, denen die ganze Welt und nicht nur die Lüneburger Heide offen steht, den Ärztemangel beseitigen zu können, der setzt definitiv aufs falsche Pferd.“

Hintergrund für die scharfe Replik des niedergelassenen Orthopäden aus Neumarkt/Bayern bildet die Forderung nach einem Rechtsanspruch auf einen Hausarzt, die der NSGB-Präsident, Marco Trips, in seiner Rede unter Berufung auf eine Erhebung der Medizinischen Hochschule Hannover erhoben hat. 65 Prozent der befragten Bürgermeister befürchteten demnach Probleme bei der künftigen Nachbesetzung von Hausarztpraxen. Medizinische Versorgungszentren in kommunaler Trägerschaft seien mit 50.000 Euro Förderung nicht finanzierbar.

„Dafür bekommt man nicht mal die Renovierung bestehender Räume hin“, beklagt Trips, der den schwarzen Peter an die KV mit Hinweis auf den Sicherstellungsauftrag weitergibt. Dem stimmt der BVNF prinzipiell zu. „Lockprämien wie die derzeitigen Niederlassungsprämien lösen langfristig die medizinischen Versorgungsprobleme auf den Land und inzwischen auch in den Städten nicht“, ergänzt Dr. Peter Jung, Gynäkologe aus dem Haßbergekreis, im Hinblick auf die dortige Situation.

Richtige Diagnose, falsche Therapie

BVNF-Vorstandsmitglied Dr. Ilka Enger, Internistin aus Neutraubling, stimmt dieser Einschätzung einer nicht ausreichenden Finanzierung ebenfalls zu. In ihrer Tätigkeit als Vorstandsmitglied der KV Bayerns habe sie mehrfach die Themen Bedarfsplanung und Budget in Zeiten des Ärztemangels als untaugliche Mittel der Planwirtschaft zur Diskussion gestellt. Selbst die von Kommunen subventionierten Ärztehäuser, kostenlosen KITA-Plätze und Beschäftigungsangebote für Ehepartner würden nicht mehr ausreichen, um den Nachwuchs aufs Land zu locken. „Es gibt sie eben nicht mehr, die niederlassungswilligen „Grundversorger“ auf dem Land - ausgestorben bzw. ausgerottet durch unwirtliche und unattraktive Rahmenbedingungen.“

Es fehle bei den Ärzten durch die schlechten Erfahrungen als Opfer einer bürokratisierten und in sich ziellosen Gesundheitspolitik inzwischen an den „drei großen „V“: Vertrauen, Verlässlichkeit und Vergütung“

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Dr. Peter Jung, Gynäkologe aus dem Haßbergekreis ist sich sicher: »Lockprämien« sind keine Lösung
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