09.10.2016
Von: Dr. Karl Ebertseder, Nervenarzt

Ertappte Sünder – Warum will das keiner wissen?

Dr. Karl Ebertseder, Nervenarzt

Sie fragen sich, warum nur der bayerische Facharztverband (BFAV) und MEDI Bayern die Zahlen des »Neubauer–Gutachten« kritisch in ihren Aussendungen aufgreifen und die klassischen »Spartenberufsverbände« und auch wenige der Mitglieder der Vertreterversammlung zusammen mit Teilen des Vorstandes und der Vorsitzenden der Vertreterversammlung nur wütend über das »Wie« und »Wann« der Aussendung lamentieren? Das fragen wir uns auch!

Beweggründe?

Der inzwischen aus seinem Amt geschiedene Vorsitzende der KBV Andreas Köhler hatte in einer Podiumsdiskussion vor vier Jahren in Düsseldorf bekannt gegeben, dass er während seiner sieben-jährigen Amtszeit immerhin ein Plus von 7 Mrd. Euro für die ärztliche Gesamtvergütung erhandelt hat. Gleichzeitig betonte er, dass dieser Betrag eben gerade nicht der „Regelversorgung“ zugekommen sei, sondern durch Innovationen und die Förderung eher technisierter Leistungen aufgefressen wurde, so dass ein Teil der konservativeren „grundversorgenden“ Praxen vom Honorarwachstum weitgehend abgeschnitten wurde.

Die dann begonnenen Reparaturmechanismen mit asymmetrischer Verteilung der Zuwächse, mit „Honorarschutzgebieten“ der QZVs, mit freien Leistungen, mit der Schaffung von extrabudgetären Schutzräumen wie der ASV oder der §115-Leistungen waren nicht geeignet die aufwendige Arbeit der konservativ, intensiv am Patienten arbeitenden Fächer adäquat abzubilden.Dies war zum Schluss auch nicht mehr durch die Nebelkerzen eines HVM zu verschleiern, der ja eigentlich eine „Hamsterradvermeidungsmaßnahme“ werden sollte, aber gerade für die konservativen Fächer nur eine Honorarsteigerung durch mehr Fälle zuließ.

Einzige „Stärkungspille“ und gleichzeitig „Placebo“ für die „Versorgerfachärzte“ war die Pauschale für die fachärztliche Grundversorgung (PFG), die noch in den Zeiten Köhlers an die entsprechenden Gruppen verteilt wurde – aber nur in homöopathischen Dosen. Das zunächst vorgesehene Volumen von 2 Mrd. Euro für diese PFG wurde heruntertitriert auf 200 Mio. Euro. An der Entstehung der PFG waren unsere Delegierten in Berlin maßgeblich beteiligt und auch die Entscheidung in Bayern, dass die PFG anders wie in anderen Bundesländern unbudgetiert auszubezahlen sei, war auf einen Antrag der BFAV-Delegierten zurückzuführen.

Betrachtet man sich nun das Zahlenwerk des Neubauergutachtens so muss die Frage gestattet sein, ob diese Schieflage nicht durch die honorarpolitischen Weichenstellungen der letzten 10 bis 15 Jahre verursacht sind und damit auch die Sicherstellungsprobleme in den Regionen zumindest teilweise durch die ärztliche Selbstverwaltung unter Beratung der Facharztverbände entstanden sind. Und genau dieser Frage wollen sich die etablierte Verbände- zumindest ein Teil von ihnen – nicht stellen.

Warum wurde denn zum Beispiel der fachärztliche EBM entgegen des beschlossenen „Sieben--Meilenstein-Plans“ immer weiter verzögert? Warum wurde die Anpassung des kalkulatorischen Arztlohns, wie in einer Protokollnotiz des Bewertungsausschusses festgehalten, nicht vehement eingefordert und der „Bollerwagen der fachärztlichen Grundleistungen“ (Zitat Gassen) immer wieder in die Garage zurückgeschoben, wenn es darum ging, in den Verhandlungen die Grundleistungen endlich zu definieren und extrabudgetär zu verhandeln? Warum scheuen sich Vertreter der gesamten Vertragsärzteschaft eine „Neuverteilung“ der Gelder anzustreben, wie dies zwingend notwendig wäre, um die Versorgungslücken gerade auf dem Lande zu schließen?

Unbequeme Fragen für unsere Vertreter in München und Berlin. Aber genau diese Fragen müssen wir innerärztlich stellen, bevor wir mit den noch unangenehmeren Fragen an die Krankenkassen und die Politik herantreten. Denn eines ist klar – die ärztliche, ambulante Versorgung ist mit 15% des Gesamthonorars für 90% der behandelten Fälle auch insgesamt unterfinanziert. Der Verschiebebahnhof von Geldern in den stationären Bereich, den Herr Gröhe derzeit an allen Ecken und Enden veranstaltet – das nennt sich dann „Bereinigung“ – ist nicht dazu angetan das Problem zu beheben. Vielmehr verschärft es die Situation für die Patienten erheblich – und zwar sowohl auf dem Lande als auch in der Stadt.

Auf die Analyse müssen nun adäquate Forderungen folgen –

Deshalb wählen Sie BAFV Liste 6

Einsetzen statt Aussitzen!



Kategorie: KVB Wahl 2016, Allgemein

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