04.04.2016

mGV-Krise: »Mehr Ehrlichkeit!«

Leistungsbezogene Bezahlung statt inflationärer Mengensteuerung. Diese Forderung erhebt der Bundesverband niedergelassener Fachärzte seit seiner Gründung. Jetzt ist die Diskussion dazu offenbar auch bis nach Berlin vorgedrungen.

Die Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) will künftig die Steuerung der Patientenversorgung in den Fokus rücken. Der Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Gassen sagte der Deutschen Presse-Agenturvor kurzem: "Im Durchschnitt geht in Deutschland jeder Patient 17 Mal zum Arzt, entweder zum selben oder zu mehreren. Das sind sehr viele Kontakte - und längst nicht alle sind notwendig." Diese Aussage ist allerdings nur die halbe Wahrheit, wie die nachfolgende Zusammenfassung der aktuellen Diskussionsbeiträge zeigt:

Für Gassen erscheint es wichtig, einen Ansprechpartner als erste Anlaufstation zu haben. Das könnte oft der Hausarzt sein. In Frage könnten aber auch je nach Erkrankung andere Fachärzte kommen. Grundsätzlich will der KBV-Chef aber die freie Arztwahl für den Patienten erhalten. Entsprechend müsse über mehrere Wahltarife in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nachgedacht werden. Will ein Patient selbst entscheiden, welche medizinischen Leistungen er nutzen wolle, sollten die Mehrbelastungen des Systems über zusätzliche Beiträge aufgefangen werden. Andererseits müsse man bei angemessener Steuerung durch einen Haus- oder Facharzt bei den Krankenkassen über Beitragsrückerstattungen nachdenken. Ein fertiges Konzept will der KBV-Chef zum nächsten Ärztetag im Mai in Hamburg vorlegen. Der Deutsche Hausärzteverband empfiehlt die Hausärzte als erste Anlaufstelle zur Patientensteuerung. "Die hohe Anzahl unnötiger Arzt-Patienten-Kontakte oder die vielen überflüssigen Krankenhausaufenthalte, werden nur dann nachhaltig gelöst werden, wenn wir ein frei wählbares hausärztliches Primärarztsystem flächendeckend umsetzen", sagt laut änd-Meldung der Bundesvorsitzende des Verbandes, Ulrich Weigeldt. Das Koordinieren von Behandlungsabläufen, das Zusammenführen von verschiedenen Diagnosen und Medikationen, das Berücksichtigen von komplexen Wechselwirkungen könnten ausschließlich Hausärzte leisten, "denn sie sind die einzigen, die dafür in ihrer Weiterbildung auch qualifiziert wurden", argumentiert Weigeldt. Die Techniker Krankenkasse (TK) warnt in diesem Zusammenhang angesichts der Debatte über Patientensteuerung vor einer Bevormundung ihrer Versicherten. "Erfolgversprechender als eine Steuerung im Sinne eines Dirigierens oder Bevormundens ist es in unseren Augen, die richtigen Anreize zu setzen und die Menschen zu motivieren, sich um ihre Gesundheit zu kümmern", sagte TK-Chef Jens Baas. Das könnten Bonusprogramme sein oder Gesundheitscoaches, die eine gezielte Unterstützung anböten - für Gesunde und Kranke.

Dazu das Meinungsbild des BVNF

 

»Was nichts kostet ist nichts wert«  – meint Wolfgang Bärtl

»Gassen« Tarife  –  befürchtet Ilka Enger

»Outsourcings sozialer Folgelasten«  –  erinnert Karl Ebertseder

Kategorie: Allgemein, BVNF

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