22.02.2016

Selbstzahlermedizin am Ende? Unterfinanzierung „dank“ GOÄ-Reform

"Igel und GOÄ halten das System gerade noch am Laufen - und deshalb sollen sie weg!", so beurteilt Dr. Wolfgang Bärtl, Vorsitzender des Bundesverbandes niedergelassener Fachärzte (BVNF) die Entwicklung der vergangenen Jahre in Richtung Zuteilungsmedizin zu Lasten der niedergelassenen Kollegen in der Grundversorgung.

Das Problem der massiven Unterfinanzierung im ambulanten System trifft bekannter Maßen die "Versorgungsbereiche" unterschiedlich stark. Ich möchte ungern von den sog "Grundversorgern" sprechen sondern lieber von vorwiegend in der Grundversorgung tätigen Ärzten oder von der fachärztlichen Grundversorgung als Objekt der Leistung. Insbesondere im fachärztlichen Bereich gingen die erheblichen Honorarzuwächse der letzten 10 Jahre - Köhler sprach selbst von 7 Mrd - an dieser Gruppierung - bis zur Einführung der PFG - komplett vorbei.

So wie die sog. fachärztlichen Grundleistungen entwertet wurden -der Fallwert betrug 1993 für kons. Orthopädie 130 DM und fiel bis 2013 auf 43 EUR in Bayern- stieg der Druck gerade bei den überwiegend konservativ in der fachärztlichen Grundversorgung tätigen Kollegen ("GOUDAH-Fraktion") über Zusatzeinnahmen - Selbstzahlerleistungen - das Delta zu kompensieren.

Viele Hautärzte betreiben laut Rückfragen des BVNF vormittags Kassensprechstunde, um Nachmittags das ganze Spektrum der Selbstzahlermedizin den Kassen - und Privatpatienten anbieten zu können (Pflicht und Kür), umfassende und kompetente konservative Orthopädie ist zwischenzeitlich zum Luxusobjekt - zur Selbstzahlerleistung mutiert - denn sie ist hochdefizitär, wird verdrängt von lukrativen operativen Prozeduren und würde ohne Rettung in die Selbstzahlermedizin aussterben- und - so gibt es viele Beispiele.

Man könnte die Theorie auch mal von der anderen Seite her hinterfragen: je angemessener die Vergütung in der Kassenmedizin ist, desto weniger werden Selbstzahlerleistungen angeboten und erbracht, da die Zeit auch mit angemessen bewerteten Leistungen wirtschaftlich effektiv genutzt werden kann? "Igeln" also die "GOUDAH`s" soviel, um die so verhasste " Umverteilung" und eine EBM-Reform zu vermeiden - und - wie wäre es, wenn sie eine bessere Lobby hätten?

Damit sind Selbstzahlerleistungen und insbesondere die GOÄ die elementaren und letzten Stützpfeiler, die es insbesondere der fachärztlichen Versorgung noch erlauben, eine Kassenarztpraxis als selbstständiger Unternehmer zu betreiben. Und eben da setzt die TK und die Politik bei der GOÄ mit takräftiger Beihilfe unserer Klinikärztevertreter der BÄK an - sie wollen das letzte Schlupfloch für Selbstständigkeit und Unternehmertum, eine echte GOÄ und Selbstzahlerleistungen dichtmachen in der Hoffnung, dass dann alle als willfährige Angestellte der Krankenkassen billiger und besser führbar werden. Den Marburger Bund wird`s freuen - gibt es doch dann kräftigen Mitgliederzuwachs. Da schließt sich dann wieder der Kreis zum aoÄT in Berlin.

Kategorie: Allgemein, BFAV, BVNF

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