22.02.2016

Notdienst-Chaos

Mangelnde Patientensteuerung kostet Geld und bindet Arbeitskraft. Heute kann jeder Patient, der sich selbst als Notfall definiert, zu jeder Tages- und Nachtzeit alle möglichen medizinischen und ärztlichen Einrichtungen ungesteuert in Anspruch nehmen und blockiert damit unnötig oft lebensrettende Einrichtungen wie z.B. die Notfallambulanzen der Kliniken, die andere Aufgaben haben. Davor warnt Dr. Wolfgang Bärtl, Vorsitzender des Bundesverbandes niedergelassener Fachärzte (BVNF). In Australien gibt es dazu einen unterhaltsamen Fernsehspot, der davor warnt "Keep emergencies for emergency" (www.youtube.com/watch?v=OXGI7i...)

Der Bericht belegt, dass jeder zweite Befragte die Einrichtungen der Vertragsärzte kennt, aber trotzdem die Klinikambulanz aufsucht. Warum aber trotzdem 60 % den ambulanten KV-Dienst aufsuchen würden, wenn sie ihn denn kennen würden, ist schwerlich nachzuvollziehen?

Liegt es also an mangelndem Vertrauen in die Kompetenz der Niedergelassenen, oder an Bequemlichkeit? Wohl eher Letzteres. Diese Theorie belegt auch die Untersuchung, dass das größte Patientenaufkommen in den Klinik-Notfallambulanzen nicht am späten Abend oder in der Nacht, sondern am späten Vormittag - also zu regulären Öffnungszeiten der Praxen stattfindet. Hier kann zum Schutz und Erhalt der eigentlichen Funktion der Notfallambulanzen der Kliniken nur eine effektive Steuerung der Patienten beitragen.

Eigenbeteiligung

Neben der schon bestehenden - vielleicht noch zu verbessernden- Informationskampagne der KVen-en hält der BVNF eine sozial verträgliche Selbstbeteiligung (Notfall-Gebühr) der Patienten bei der Inanspruchnahme der Klinikambulanzen für unumgänglich. Hinzu kommen die ungleich langen Spieße zwischen Niedergelassenen und Kliniken. Die Behandlung der Unfälle und Notfälle in den Praxen der Niedergelassenen oder an den Klinikambulanzen wird nämlich nicht zu gleichen, festen und angemessenen Preisen vergütet .

Stoßzeitenregelung

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, wie die meisten Bürger/Patienten denken würden - aber weit gefehlt Während die Klinikambulanzen jeden Notfall - egal zu welcher Tageszeit - jetzt schon und künftig noch besser zu festen Preisen aus dem Budget der Niedergelassenen vergütet bekommen, müssen bei den Niedergelassenen alle Notfälle/Unfälle während der Sprechstundenzeiten innerhalb der ohnehin viel zu knappen Quartalsbudget von 25 - 45 EUR mit behandelt werden. Dieser Umstand trägt auch erheblich zur Fehlsteuerung bei und bedarf einer dringlichen Korrektur. Die bereits bestehenden und noch zu schaffenden Bereitschafts - oder jetzt Portalpraxen der Niedergelassenen an den Kliniken werden das Problem vielleicht abmildern , aber diese dürfen zu den "Stoßzeiten" - also zu den regulären Sprechstundenzeiten nicht geöffnet sein! Wie man sieht, ist das Problem komplex, aber lösbar.

Kategorie: Bayerischer Facharztverband, Allgemein, BVNF

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