08.04.2022

Kommunales MVZ am Ende – KV-Praxen vor dem Ende?

Dr. Wolfgang Bärtl

Der Bayerischer Facharztverband (BFAV) befürchtet eine gefährliche Entwicklung. Während in eigener Praxis niedergelassenen Kollegen gerade in strukturschwachen Gebieten nur unter hohem persönlichem Einsatz finanziell noch über die Runden kommen und kommunale MVZ`s die finanzielle Grätsche machen, sollen es jetzt KV-eigene Praxen oder MVZ richten?

Für Insider wenig überraschend wird dieser Tage die Schließung des gemeindeeigenen medizinischen Versorgungszentrums in Weilbach/Kreis Miltenberg gemeldet. Zwei Jahre nach Gründung des ersten kommunalen MVZ´s hat die Kommune die Reißleine gezogen. Das Trägermodell ist gescheitert. Die Gemeinde kann sich die hohen Verluste der Praxis, nicht mehr länger leisten. 

„Das gescheiterte Pilotprojekt bestätigt unsere seit Jahren vorgetragenen Befürchtungen und Verwerfungen im ambulanten Gesundheitssystem. Die Erträge aus einer grundversorgenden Haus- oder Facharztpraxis reichen bei durchschnittlichem Einsatz angestellter Ärzte nicht aus“, zieht der BFAV-Vorsitzender Dr. Wolfgang Bärtl, Orthopäde in Neumarkt i.d. OPf., bitter Bilanz. 

Selbstausbeutung

Umgekehrt reiche selbst der weit überdurchschnittliche Arbeitseinsatz selbständiger, niedergelassener Ärzte und auch deren MFA`s oft nicht mehr aus, „um eine Praxis betriebswirtschaftlich halbwegs rentabel zu führen“. Der BFAV-Vorsitzende fordert die Politik und die Krankenkassen auf, dieses außerordentliches Engagement auch finanziell besser zu würdigen, um die Entwicklung der oft vorzeitigen Praxisaufgabe zu verhindern. „Wenn sich heute keine grundversorgenden Fachärzte mehr finden, die sich in den strukturschwachen Regionen - wie aktuell in der Dermatologie in Wunsiedel - niederlassen wollen, dann hat das ganz klar wirtschaftliche Beweggründe,“ führt Bärtl aus.

Umdenken erforderlich

Statt mit festen und angemessenen Preisen für die Ärzte und einer dem Kliniksektor vergleichbaren Wertschätzung für die MFA`s die wirtschaftliche Basis und positive Anreize zur Niederlassung zu setzen, verlagere die Politik diese Defizite in die Verantwortung der KV-en und verpflichte sie, zu Lasten der Ärzteschaft in „unrentablen Regionen und Fachbereichen unrentable Praxen zu betreiben. Denn wie bei den kommunalen MVZ`s wird mit einem durchschnittlichen Engagement von Angestellten und dem bürokratischen Overhead in KV-eigenen MVZ´s kein anderes Ergebnis zu erwarten sein,“ analysiert der Bayerischer Facharztverband-Chef abschließend.

Kategorie: Bayerischer Facharztverband, BFAV, BVNF