20.11.2020

Kosten-Bombe – Schlecht für Praxen und Patienten

Dr. Wolfgang Bärtl

Die geplante Anhebung des Verwaltungskostensatzes der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) stößt beim Bayerischen Facharztverband (BFAV) auf harsche Kritik. Die fachärztlichen Kollegen zahlen demnach den Preis für die umstrittene und ohne Berücksichtigung lokaler Präferenzen der Kollegen umgesetzte Bereitschaftsdienstreform, versorgungsfremde Leistungen u.a. im Rahmen der Pandemiebekämpfung und eine kostenintensive Verwaltung. Darüber hinaus muss die Verpflichtung der Vertragsärzte in Frage gestellt werden, ob und in welchem Umfang sie für Weiterbildung des Nachwuchses und künftig wohl auch noch defizitäre KVB-Eigenbetriebe finanziell herhalten müssen?

  • KVB-Verwaltungskostenbeitrag explodiert

  • Interessen der Fachärzte in der KVB nicht mehr adäquat vertreten

  • Geschlossenheit erforderlich

Die Folgen führen zum Niedergang einer flächendeckenden fachärztlichen Patientenversorgung durch Praxisschließungen oder „feindlichen Übernahmen“ von Praxen durch kommunale oder private Klinik-Investoren, die in erster Linie an der Bettenbelegung ihrer Kliniken interessiert sind und weit weniger die Garantenfunktion des niedergelassene Arztes für „seine“ Patienten im Blick haben.

„Was für Praxen schlecht ist, ist schlecht für die Patienten“ so bringt Bayerischer Facharztverband-Sprecher Dr. Wolfgang Bärtl, niedergelassener Orthopäde in Neumarkt/Opf. die Folgen der angekündigten drastischen Anhebung des Verwaltungskostensatzes um fast 1% auf den Punkt. „Fachärzte zahlen damit die Zeche einer unbefriedigenden Bereitschaftsdienstreform, versorgungsfremder Leistungen, der Weiterbildung des Nachwuchses und einer kostenintensiven Verwaltung“ Die Interessen der Fachärzte sind in der KVB nicht mehr adäquat vertreten.
Hintergrund: „Gut ist, was für Praxen gut ist“. Mit diesem Versprechen startete 2017 der hausärztliche Vorstandsvorsitzende Wolfgang Krombholz in die Legislatur. Der fachärztliche Vertreter im Vorstand der KVB, Pedro Schmelz, mahnte damals einen sparsamen Umgang mit den Haushaltsmitteln an, um die Verwaltungskosten für die Mitglieder angeblich weiterhin auf einem niedrigen Niveau halten zu können. Der BFAV rügte in den vergangenen 4 Jahren wiederholt die unverhältnismäßig hohen Kosten für eine misslungene Bereitschaftsdienstreform und forderte vergeblich die Konzentration auf versorgungsrelevante Leistungen und eine Straffung der Verwaltung an.

Kostenbombe

„Jetzt platzt die Bombe!“, so Bärtl. Zur bevorstehenden Vertreterversammlung der KVB am 22.11.2020 wird in einem Antrag die Erhöhung des Verwaltungskostensatzes von 2,5 auf 3,4 % angekündigt. Umgerechnet eine exorbitante Steigerung um 36 Prozent - und - das Ende der Fahnenstange wird damit noch nicht erreicht sein.
Zur Erinnerung: Zum Zeitpunkt des Ausscheidens des BFAV aus dem Vorstand und den maßgeblichen Gremien der KVB im Jahr 2017 verfügte die KVB über Rücklagen im Verwaltungshaushalt von über 100 Mio. Euro. In nur 4 Jahren habe der Vorstand diese Rücklagen nicht nur vollständig aufgezehrt, sondern braucht jetzt weitere 60 Mio. Euro pro Jahr zusätzliches Geld von den Mitgliedern, so die Klage des Bayerischer Facharztverband-Sprechers. „Den Löwenanteil dieser zusätzlichen Abgaben sollen erneut die Fachärzte zahlen, die bereits in der Vergangenheit bei der rein prozentualen Orientierung der Abgaben an der Honorarsumme deutlich benachteiligt sind“, verweigert sich Bärtl diesem Ansinnen.

Benachteiligung der Fachärzte

Während die Fachärzte in Bayern nahezu ausnahmslos das gesamte Honorarvolumen über die KVB abrechnen und dafür prozentual Verwaltungskosten bezahlten, würden z.B. im hausärztlichen Versorgungsbereich große Mengen an Honorar über die hausärztliche Vertragsgesellschaft abgerechnet und dafür an die KVB keine prozentualen Abgaben bezahlt.
Dabei verursachen die hausärztlichen Mitglieder der KVB grundsätzlich gleiche Basisverwaltungskosten in der KVB wie fachärztliche und genießen gleiche Rechte, so der berechtigte Einwand des BFAV. Dass aus diesen Verwaltungskosten auch noch ein Mehrfaches im Jahr in die Weiterbildung des hausärztlichen Nachwuchses als in die des fachärztlichen fließt, verdeutlicht die Verwerfungen in der KV.

Diese Entwicklung zeigt ganz klar,„dass in der KVB die Interessen der Fachärzte nicht mehr adäquat berücksichtigt werden“, fordert Bärtl die Fachärzte in Bayern zur Geschlossenheit auf, um dieser Fehlentwicklung ein Ende zu bereiten. „Wir brauchen künftig eine wirtschaftlich kompetente, geschlossene fachärztliche Vertretung und Führung, die feste und angemessene Preise für alle fachärztlichen Leistungen in den Vordergrund rückt. Gleichzeitig müssen die Verwaltungskosten auf strammen Sparkurs getrimmt und die Kosten nach einem gerechteren Modus auf alle verteilt werden“, stimmt der BFAV-Sprecher die Fachärzte auf die Herausforderungen der Zukunft nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie ein. Deshalb wird der BFAV diesen Haushalt in der kommenden Vertreterversammlung am 21.11.2020 auch nicht mittragen.

Fachärzte fordern Geschlossenheit

Der BFAV fordert alle Kolleginnen und Kollegen auf, den BFAV auf diesem Weg zu unterstützen und auf die ihnen bekannten fachärztlichen Vertreter in der KVB einzuwirken, um möglichst geschlossen dieser deutlichen Benachteiligung und Mehrbelastung ihrer fachärztlichen Kollegen Einhalt zu gebieten.

Kategorie: Bayerischer Facharztverband, BFAV, BVNF