30.03.2020

Mit Not-Approbation an die Corona-Front – BFAV unterstützt Medizinstudierende

Sollen jetzt auch Medizinstudierende kurz vor dem 3. Staatsexamen nach dem Willen von Minister Spahn mit vorläufiger „Not-Approbation“ an die „Corona-Front“? Mit dem am vergangenen Freitag im Eilverfahren verabschiedeten „Bevölkerungsschutzgesetz“ wird das Bundesgesundheitsministerium (BMG) ermächtigt, in der gegenwärtigen Coronavirus-Pandemie „Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Gesundheitsversorgung in Abweichung von bestehenden gesetzlichen Vorgaben“ vornehmen zu können. Das bedeutet, dass das Ministerium untergesetzliche Richtlinien, Regelungen, Vereinbarungen und Beschlüsse der Selbstverwaltungsorgane ändern, ergänzen oder aussetzen kann.

Darüber hinaus soll das BMG direkt ohne Einbindung der Länder sogar Änderungen an der Approbationsordnung für Ärzte vornehmen und die Zeitpunkte und die Anforderungen an die Durchführung der einzelnen Abschnitte der Ärztlichen Prüfung festlegen können, um auch die Medizinstudierenden unverzüglich für eine „notwendige Mitwirkung“ angesichts der Corona-Krise heranziehen zu können. „Die Maßnahmen insgesamt werden so ausgelegt, dass sie einerseits sicherstellen, dass Studierende sofort einen Beitrag zur Versorgung leisten können und ihnen gleichzeitig keine Nachteile im Studienverlauf entstehen“, heißt es in der Gesetzesbegründung.

Die Medizinstudierenden indes sehen das anders, und befürchten in der Tat erhebliche Nachteile.

Petition gegen »Approbation zweiter Klasse«

Denn am Hammerexamen bei der M2-Prüfung, das schon große Proteste ausgelöst hatte, halten sowohl das BMG, als auch der Medizinische Fakultätentag fest. Demnach soll die M2-Prüfung jetzt  um ein Jahr nach hinten verschoben werden. Die Studenten sollen stattdessen direkt ins Praktische Jahr (PJ) gehen und dann 2021 nach dem PJ die M2- und auch gleich die M3-Prüfung ablegen.

Die M3-Prüfung soll dieses Jahr offenbar ganz ausfallen. Dafür soll es dann ersatzweise eine „befristete Approbation“ geben. Um die reguläre (unbefristete) Approbation zu erhalten, soll dann nach einem Ende der Corona-Krise eine Prüfung entsprechend der jetzigen Kenntnisprüfung gemäß § 37 der Approbationsordnung erfolgen. 

Die Medizinstudierenden, die seit Monaten auf das 3. Staatsexamen gebüffelt haben, befinden sich somit plötzlich in der Ungewissheit, ob ihre Prüfung überhaupt stattfinden wird und sie ihr Studium nun regulär abschließen können. Oder, ob sie ohne Examensprüfung mit einer vorläufigen "Not-Approbation" versehen exmatrikuliert werden, um dann, wenn die Krise überstanden ist, nach Ablegung einer "Kenntnisprüfung" quasi eine „Approbation zweiter Klasse“ zu bekommen. 

Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (BVMD) will das nicht hinnehmen und hat u.a. eine Petition gegen diese Pläne gestartet:

www.openpetition.de/petition/online/faire-bedingungen-fuer-praktisches-jahr-und-staatsexamina-im-medizinstudium-in-der-covid-19-pandemie

Der Bayerische Fachärzteverband unterstützt das Anliegen der Medizinstudierenden gegen diese sachlich auch nicht gerechtfertigte Maßnahme des BMG, und bittet um Mitunterzeichnung der Petition.

Kategorie: BFAV, BVNF