29.03.2020

In der Krise nicht vergessen – Tsunami für die ambulante Versorgung! Niedergelassene Fachärzte als „billige“ Nothelfer?

Klatschen tut gut - hilft nur nicht weiter!

Die Corona-Krise trifft laut Analyse des BFAV-Vorstandes, Dr. Wolfgang Bärtl, die Praxen der niedergelassenen Fachärzte wirtschaftlich mit extremer Wucht und zeigt die systembedingten Schwachstellen des ambulanten Gesundheitssystems auf. Dabei werden die Auswirkungen teilweise erst verzögert spürbar werden. Mit der unbedingten Aufrechterhaltung der Versorgung bei gleichzeitig deutlichem Rückgang der Fallzahlen, und Leistungsmengen, um Kontakte pandemiebedingt auf die unaufschiebbaren Fälle zu reduzieren, geraten die Praxen vor Ort in einen existenzbedrohenden Spagat zwischen Sicherstellung und Wirtschaftlichkeit.

„Während unsere Mitarbeiter/innen und wir seit Wochen vergeblich auf ausreichend Schutzkleidung warten, stehen wir mit den hausärztlichen Kollegen zuverlässig an vorderster Front der ambulanten Versorgung, um den Kliniken den Rücken für die zu erwartenden schweren Corona-Fälle freizuhalten. 

Im Gegensatz zu unseren Nachbarländern, wie Italien, halten wir mit der oft gescholtenen sog. „doppelten Facharztschiene“, ein einzigartiges Instrument bereit, das eine vollumfängliche Konzentration der Kliniken auf schwer kranke Infektionspatienten in der bevorstehenden Krise ermöglicht und so einen wichtigen Beitrag zu einem milderen Verlauf dieser Pandemie in Deutschland leisten kann“, hofft der in eigener Praxis in Neumarkt/Opf. niedergelassene Orthopäde.

Keine Ruhe nach dem Sturm

In dieser Krise offenbare sich deutlich die Anfälligkeit einer unterfinanzierten, ambulanten, fachärztlichen Versorgung der gesetzlichen Krankenversicherung, die schon zu „normalen“ Zeiten nur noch über eine massiven Quersubventionierung aus den Privat-, Selbstzahler- und Honorararztleistungen für die Masse der gesetzlich versicherten Patienten in der Fläche aufrecht erhalten werden kann, erklärt der BFAV mit Verweis auf das inzwischen 4 Jahre alte „Neubauer-Gutachten“. 

Die Corona-Krise wird somit zur Nagelprobe für das deutsche Vertragsarztsystem. „Wer diese europaweit einzigartige flächendeckende ambulante haus- und fachärztliche Versorgung sicherstellen soll, braucht eine verlässliche finanziellen Absicherung sowohl in als auch nach der Krise, so der Hilferuf des BFAV-Chefs.

Der BFAV warnt davor, dass die derzeitigen Honorarverluste durch die fehlende  Quersubvention der GKV-Honorare durch Privatumsätze nur die Vorboten der ambulanten Versorgungkrise sind. Erst in einem halben Jahr würde das ganze Ausmaß der Unterfinanzierung der ambulanten Versorgung sicht- und spürbar. Es könne dann, wenn die gebeutelten Praxen wieder zum Aufbau einer guten ambulanten Versorgung gebraucht werden, zu einem regelrechten Praxissterben kommen.

„Deshalb muss der von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn angekündigte Schutzschirm für unsere Praxen wasserdicht sein. Die aktuell beschlossenen gesetzlichen Stützungen springen hier deutlich zu kurz. Honorareinbußen in der Krise für diejenigen, die jetzt die Stellung halten sind falsche Signale. Unsere Mitarbeiter/innen und Kolleg/innen in den Praxen fühlen sich an der Corona-Front damit regelrecht im Stich gelassen“, klagt Bärtl verbunden mit der Bitte „…damit bei den niedergelassenen Fachärzten aus der Ruhe vor dem Sturm nicht ein Sturm nach der Ruhe erwächst.“

Kategorie: BFAV, BVNF