17.11.2015
Von: Dr. Wolfgang Bärtl

Verantwortung für Versorgung

»möglichst viel Arzt für wenig Geld« ist klar analysiert die Maxime der Nachfrageseite. Damit sind wir beim entscheidenden Punkt. Wieviel Arzt kann ich auf Anbieterseite für das wenige Geld leisten?

Das lässt sich eben nicht pauschal für alle sondern nur individuell sagen. Solange jedoch für die KV und die Kassen noch ausreichend Ärzte bereit sind fach- und flächendeckend für das mehr oder wenige Geld dieses Maximun an Leistung zu bieten, wird sich an der Situation nicht viel ändern. Wir können es allenfalls schaffen, über geänderte Interessensvertretungen in den KV-en andere Schwerpunkte (Stichwort: »GOUDAH«, Grundversorgung, Notfallversorgung etc..) und Strategien zu entwickeln.

Alles andere bleibt unter Budgetbedingungen immer eine individuelle Entscheidung. Rechnet es sich mit allen Quersubventions und »case-load« Funktionen für die nachgelagerte unbudgetierte operative oder sonstige Leistungsebene (ASV) »unterm Strich« noch - oder nicht!

Ein »Massenausstieg« oder eine »Streikwelle«, die richtig Eindruck hinterlässt, halte ich unter den gegeben Rahmenbdingungen für unrealistisch. Das haben schon ganz andere unter anderem Druck und besseren Voraussetzungen vergeblich versucht.

Letztendlich wird es auf der Nachfrageseite liegen, ob ein Mangel evident wird und zu entsprechenden Gegenkorrekturen der Politik und der Kassen bzw. dann auch der KV führen wird, oder, ob wir klug genug sind, diese Entwicklungen zu antizipieren und ihnen zuvorzukommen. Die Gröhe-Trias und das Dilemma mit den Portalpraxen sind excellente Beispiele, wie das funktioniert, bzw. eben nicht funktioniert hat.

Ähnliches wie es den Hausärzten vor ca. 15 Jahren erging, geht es jetzt mit den überwiegend grundversorgenden Fachärzten. Die völlig unzureichenden und lächerlichen Budgets haben in Kombination zu den Fallzahlanstiegen zu einem erhöhten Nachfragedruck in diesem Versorgungssegment geführt. Die KBV und mit ihr die KV-en haben aus den bekannten Ängsten vor Veränderung und Unruhe, die Neuadjustierungen mit sich bringen, bis auf das Feigenblatt der PFG nicht reagiert auf diese Herausforderung. Daher war war es auch ein großer strategischer Fehler, den überfälligen fachärztlichen EBM auf den St. Nimmerleinstag zu verschieben.

Es bestehen keinerlei Anreize, als Facharzt in die Regionen zu gehen, noch mehr und noch schneller Termine zu vergeben, noch mehr Kassensprechstunde anzubieten oder gar an einem fachspezifischen Notfalldienst teilzunehmen. Ganz im Gegenteil - es drohen weitere Abstaffelungen, Quotierungen und der Aufbau fachärztlicher Bereitschaftsdienste wird bekanntlich nicht gerade gefördert, obwohl ,die traumatologisch-chirurgisch orientierten Fachdienste tatsächlich in der Lage wären, die Fälle in den Notfallambulanzen der Kliniken (über 60 % aus diesem Fachgebiet ) zu vermindern und damit die zu erwartende Kostenexplosion zu unseren Lasten abzufangen.

In solchen Fällen mangelhafter vorausschauender Strategie tritt dann immer der Gesetzgeber auf den Plan:

  • Zwangsaufkäufe in den Zentren -Intention:  Verlagerung der Sitze in die Fläche
  • Gefühlt zu lange bzw. unterschiedlich lange Wartezeiten  bei Fachärzten - Terminservicestellen
  • Keine umfängliche und zeitgerechte Bhg ambulant
  • Öffnung der Kliniken und Bezahlung zu unseren Lasten.
  • Keine patientenzentrierte, fachspezifisch kompetente Notfallbehandlung  - Portalpraxen und 4 fach höhere Vergütung der Unfallpraxen aus unserem Honorar.


und - es wird, wie angekündigt, weitergehen:

  • keine ausreichenden Ärzte
  • Substitution über NäPA, VERAH, physician assistent, direct access zu Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten, Hörgeräteakustiker, Optiker, Sanitätshäuser, Apotheken ........


Wenn wir nicht endlich reagieren! Wenn wir nicht endlich eine vorausschauende Strategie entwickeln, die bestimmt schmerzhafte Veränderungen und Einschnitte nach sich ziehen wird, werden wir uns definitiv selbst abschaffen.

Der Grundsatz muss eine »patienten« - nicht »arztzentrierte« Denkweise sein, sonst erreichen wir keine Akzeptanz - weder bei den Patienten noch bei der Politik.  Die Patienten wollen einen schnellen und ungehinderten Zugang zur haus- aber auch fachärztlichen Versorgung und sie wollen eine funktionierende Notfallversorgung mit kompetenten Ärzten!

Wenn ich das ganze Dilemma abwenden und die Patienten auf meine Seite bringen möchte, dann muss ich eben Verantwortung für Versorgung übernehmen - und - die beginnt bei der haus- und fachärztlichen Grundversorgung. Diese Segemente müssen nachhaltig attraktiver gestaltet werden - und das geht nur über Honorar.

Der Erst - und Basiskontakt mit den Ärzten bzw. dem Fachgebiet  ist eben nicht vermeidbar oder verhandelbar! Ebensowenig die Notfallbehandlung. Es lassen sich leichter Mengenbegrenzungen für Akupunkturen, elektive Operationen, Coloskopien, NMR`s etc. den Patienten vermitteln, als die Begrenzung des Zuganges und Erstdiagnostik beim Haus- oder Facharzt!

Kategorie: Bayerischer Facharztverband, Allgemein, BVNF