05.10.2015

Vertrag zu Lasten Dritter - Pläne zum Krankenhausstrukturgesetz gefährden die flächendeckende fachärztliche Versorgung Bayerns

Der Bayerische Facharztverband, BFAV, warnt vor einer Zweiklassengesellschaft in der Vergütung von Unfällen und Notfällen. „Wie aus dem Eckpunktepapier hervorgeht, das die Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Krankenhausreform Ende dieser Woche verabschiedet hat, sollen künftig die Krankenhäuser mit einer besseren Finanzierung ihrer Notfallambulanzen rechnen“, berichtet das „Ärzteblatt“.

Darüber hinaus soll es - abhängig von der Schwere der Notfälle - unterschiedliche Vergütungen geben, die noch im Jahr 2016 über den EBM und den erweiterten Bewertungsausschuss geregelt werden sollen. Finanziert werden sollen die „angemessenen Vergütungen“ aus dem Budget der niedergelassenen Ärzte, der sog. mGV.

Als einen „Vertrag zu Lasten Dritter“ kritisiert Bärtl, der Vorsitzende des Bayerischen Facharztverbandes, das Unterfangen der Politik, den Kliniken einen Blankoscheck in noch ungeahnter Höhe zur Stabilisierung der maroden Krankenhausfinanzen zu Lasten der niedergelassen Ärzte auszustellen. „Notfälle und Unfälle sind nicht vermeidbare oder aufschiebbare Behandlungsanlässe, die - egal ob in den Notfallambulanzen der Kliniken oder in den Praxen - der Niedergelassenen unvorhersehbare Leistungen und Aufwände erfordern.
Diese Leistungen müssen nach dem Grundsatz „gleiches Honorar für gleiche Leistungen“ daher auch in beiden Sektoren gleichermaßen angemessen und außerhalb der Budgetierung vergütet werden" fordert Bärtl und erteilt einer einseitigen Bevorzugung der Klinikambulanzen eine glatte Absage, die schon jetzt für entsprechende Notfälle deutlich höhere Zahlungen pro Patient erhalten als niedergelassene Ärzte.

In Anbetracht der neu zu schaffenden Terminservicestellen mit der gewünschten Ausweisung zusätzlicher Termine und der ohnehin schon um ca. 20 % quotierten Vergütung von Leistungen der budgetierten fachärztlichen Grundversorgung wäre dieser zusätzliche Griff in die klamme Kasse dieser Versorgungsebene nicht mehr verkraftbar, ganz zu schweigen von der bisher schon niedrigeren Vergütung im niedergelassenen Bereich.

Das Ausbluten der flächendeckenden fachärztlichen Grundversorgung würde damit weiter beschleunigt, appelliert Bärtl an die Verantwortung der zuständigen Landes- und Bundespolitiker.

Kategorie: Allgemein, Bayerischer Facharztverband, BVNF