06.09.2015

»Gegen die Wand«, Facharztpraxen bluten aus

Kostenerstattung und Selektivverträge als Ausweg? Der Bundesverband niedergelassener Fachärzte (BVNF) nimmt die Ergebnisse der aktuellen Umfrage des Zentralinstituts (ZI) der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zum Anlass, die Politik auf die Folgen des Niedergangs für die Patientenversorgung hinzuweisen und den Kollegen Wege aus der existenzbedrohenden Situation aufzuzeigen.

Die wirtschaftliche Lage niedergelassener Fachärzte hat sich deutlich verschlechtert. Grund sind laut einer aktuellen ZI-Umfrage vor allem drastisch gestiegene Betriebskosten bei rückläufigen Überschüssen. Als Folge wird erheblich geringer in die Praxen investiert.
„Diese Politik fährt die fachärztliche Grundversorgung gegen die Wand“, warnt der BVNF-Sprecher, Dr. Wolfgang Bärtl, eindringlich vor einer Verschlechterung der Versorgungsqualität, wenn sich die Praxisinhaber aus Altersgründen zurückziehen und wegen der wirtschaftlichen Perspektivlosigkeit keinen Nachfolger finden.

So betragen z.B. in der Orthopädie statt der notwendigen Fallwerte von 76 Euro diese in der Kassenarzt-Realität für konservativ tätige Orthopäden in Bayern ca. 46 Euro.

Die sinkenden Investitionszahlen von Minus 13,5% in nur drei Jahren seien ein untrügliches und alarmierendes Indiz für „moribunde Praxisstrukturen“, insbesondere in der fachärztlichen Grundversorgung, wo Praxen „nur noch auf Verschleiß“ gefahren würden, weil Nachfolger fehlen. Mit Renteneintritt der „Seehofer-Boomer“ werde sich das Problem in nächster Zeit noch massiv verschärfen

Die KBV laufe - „beschäftigt mit internen Querelen, gelenkt von den Partialinteressen politischer Agenden und einiger ASV-Glücksritter“ - vor dem Hintergrund dieser alarmierenden Zahlen „große Gefahr, die Kompetenz für eine kollektive, flächendeckende ambulante Versorgung zu verlieren und wieder einmal den Gesetzgeber auf den Plan zu rufen“.

Ultimativ fordert der BVNF-Sprecher die KBV Führung auf, Verantwortung für eine umfassende flächendeckende fachärztliche Versorgung  zu übernehmen und in den anstehenden Honorarverhandlungen und der Umgestaltung des fachärztlichen EBM endlich für einen Ausgleich dieser eklatanten Unterdeckungen in der fachärztlichen Grundversorgung zu sorgen. Gleichzeitig müsse man den Weg beschreiten, mittels Kostenerstattung und Selektivverträgen existenzsichernde Einnahmen zu erzielen, so Bärtl.

Als klar strukturierter Unternehmerverband stehe der BVNF im Gegensatz zu anderen amorphen Organisationen für seine Mitglieder als kompetenter Ansprechpartner bereit.

Bei den Daten des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI) zur wirtschaftlichen Lage der Praxen handelt es sich um eine erste Auswertung des ZI-Praxis-Panels 2014.

Demnach sank der reale Jahresüberschuss unter Berücksichtigung der Inflationsrate zwischen 2010 und 2013 um 1,5 Prozent auf 144.900 Euro je Praxisinhaber. Die Betriebskosten stiegen im selben Zeitraum um 7,6 Prozent auf 142.000 Euro.
Besonders stiegen die Kosten für Personal (+16,5 Prozent) und die Mieten für Praxisräume beziehungsweise entsprechende Nebenkosten (+6,8 Prozent). Die Aufwendungen für Material und Labor sowie für Versicherungen, Beiträge und Gebühren fielen mit einem Zuwachs von 6,5 Prozent ins Gewicht. Rückläufig waren in den Berichtsjahren sowohl die Abschreibungen (-13,5 Prozent) als auch die Aufwendungen für Leasing und Geräte (-5,9 Prozent), während die Aufwendungen für Wartung und Instandhaltung von Geräten zulegten (+11,8 Prozent).

Kategorie: Allgemein, BVNF