11.08.2015

»Wüst und leer«, fachärztliche Honorarpauschale versickert in Patientenflut

Die niedergelassenen Fachärzte warnen vor einer weiteren Auszehrung der wohnortnahen Versorgung. Ein undurchsichtiger Verteilungsmodus der Honorargelder verursache das Ausbluten einer patientennahen Grundversorgung bei den Fachärzten. Die Pauschale für die fachärztliche Grundversorgung (PFG) zeigt keine Wirkung in der fachärztlichen Grundversorgung, beklagt der Bundesverband niedergelassener Fachärzte (BVNF).

Bayern ächzt unter der Sommerhitze, die Felder sind ausgedörrt und die Bauern fürchten um ihre Ernte. In einer ähnlichen Situation befinden sich aber auch Bayerns Ärzte – insbesondere die grundversorgenden Fachärzte in den ländlichen Regionen. „Wenn über die Fachärzte in strukturschwachen Gebieten nicht bald ein rettender Regenguss mit festen angemessenen Preisen für unsere fachärztlichen Grundleistungen niedergeht, wird die fachärztliche Versorgung auf dem Land zur gesundheitspolitischen Missernte“, befürchtet Wolfgang Bärtl, Sprecher des BVNF.

Die Honorarentwicklung - am Beispiel der niedergelassenen Orthopäden erläutert - sei alarmierend. Das pauschal geflossene Honorarplus sei infolge einer 6-10 prozentigen Patientenzunahme „verdampft“. Eine Fallwertsteigerung von ca. 2-3 Euro pro Fall in den vergangenen drei Jahren von 2011 bis 2014 sei nur auf den ersten Blick erfreulich. Allein schon durch die Lohnerhöhungen der Praxismitarbeiter/innen von 10 Prozent und dem Preissteigerungsindex von 4,2 Prozent im gleichen Zeitraum wird diese Entwicklung ins Gegenteil verkehrt. „Für die Praxen verbleibt ein dickes Minus“, umschreibt Bärtl die wirtschaftlich äußerst kritische Situation in den Praxen der Basisversorger.

„Ohne Privatpatienten und Selbstzahlerleistungen geraten gerade Praxen in ländlichen Regionen in eine finanzielle Schieflage – da helfen auch keine finalen Durchhaltezuschläge für ältere Ärzte oder kurzatmige Anfütterungsprämien für junge Kollegen.

Die Facharztmedizin brauche zum Überleben dringend und verlässlich angemessene Preise, finanziert mit dem Wegfall der Budgetierung oder mit der Kostenerstattung, die dem Patienten die Kontrolle und Verantwortung über sein Inanspruchnahmeverhalten zurückgibt. Durch die Terminservicestellen ist das Dilemma nicht zu bewältigen“, appelliert Bärtl an die Politik, endlich umzudenken.

Denn sonst werde Deutschland schon bald eine fachärztliche Einöde „…wüst und leer!“

Kategorie: Allgemein, BVNF