24.07.2015

Rücken-Schmerz lass nach? Ambulante Therapie hilft! Für 20 Euro?

Der Bundesverband niedergelassener Fachärzte (BVNF) bestätigt den alarmierenden Anstieg von Klinikeinweisungen wegen Kreuzschmerzen. Dabei gäbe es Abhilfe über ambulante stationsersetzende Konzepte.

Die BARMER-GEK habe mit ihrem Krankenhaus-Report 2015 das „Problem erkannt, aber nicht gebannt“, so fragt der BVNF-Vorsitzende, Dr. Wolfgang Bärtl, nach den Konsequenzen aus der Erkenntnis, dass offenbar teure Klinikaufenthalte ohne erkennbaren Therapieerfolg die Ausgaben der Krankenkassen im Bereich der Rückenschmerzbehandlung als Volkskrankheit explodieren lassen.

Der in der Oberpfalz in eigener Praxis niedergelassene Orthopäde aus Bayern, Bärtl, sieht das Dilemma in einer seit langem überfälligen Stärkung der konservativen, fachärztlich-orthopädischen Grundversorgung. Das Versäumnis, die Vergütungsstruktur zu korrigieren, wird das Problem verstärken, denn die Versorgung von (chronischen) Rückenschmerzpatienten ist Teil fachärztlicher Grundversorgung, und zwar zunehmend, wie die kontinuierlich ansteigenden Fallzahlen im konservativ orthopädischen Bereich belegen.


20 oder 16.000 Euro?

Die Behandlung und Steuerung von chronischen Rückenschmerzpatienten ist eine betreuungsintensive, zeitaufwändige, „erzieherische“, ärztliche Tätigkeit, die Geduld, Ausdauer und ein intensives Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient und weniger Spritzen, Bildwandler, Operationen oder stationärer Schmerztherapien bedarf. Diese fachärztliche Grundleistung ist im konkreten Beispiel der konservativen Orthopädie von etwas über 20 EUR in der Regelleistungsvergütung und Fallwerten je nach Region zwischen 30 und etwas über 40 EUR „unterirdisch schlecht bewertet“, so Bärtls Praxiserfahrung.


Ambulant vor stationär

Der BVNF-Vorsitzende fordert die BARMER GEK und auch die anderen Kassen deshalb auf, die ambulante Behandlung angemessen mit festen Preisen zu vergüten. „Solange die Fallwerte regional unterschiedlich von 30 bis etwas über 40 EUR für konservativ tätige Orthopäden mit DRG's in Kliniken zwischen 1000 und 16.000 EUR für komplexe Fusionen und anderen hochspezialisierten Operationen konkurrieren, wird sich daran nichts ändern“.

Nur wenn die Krankenkassen bereit wären, die getrennte Betrachtung der Sektoren aufzugeben und Einsparungen im stationären Bereich auch tatsächlich in den ambulanten Bereich fließen zu lassen, würden weniger Versicherte in teuren Klinikbetten liegen.

Dazu liegen ambulante Konzepte wie das Stationsersetzende Pilot Projekt (STEPP) für diese Rückenproblematik vor. „Der Ball liegt jetzt im Spielfeld der Krankenkassen“, so der BVNF-Chef, „diese Projekte aufzugreifen und die ambulante Behandlung attraktiver und damit wettbewerbsfähig auszustatten!“

Kategorie: Allgemein, BVNF