06.07.2015

KBV-VV: Echternacher Dreisprung beim fachärztlichen EBM

Kompensation für die fachärztliche Grundversorgung bei anstehenden Honorarverhandlungen gefordert. Wie sich bereits in der fachärztlichen Klausurtagung angedeutet hatte verschob gestern die KBV- VV in ihrem kurzen, aber endlich wieder einmal zumindest ansatzweise von Sacharbeit geprägten öffentlichen Teil, die zum 01.01.2016 geplante EBM-Reform auf "eventuell 2017".

Waren nach offizieller Lesart organisatorische und logistische Gründe ins Feld geführt, dürften doch bei vielen, größtenteils hauptamtlichen Delegierten, die Angst vor möglichen Unruhen bei den schon 2016 bevorstehenden KV Wahlen die eigentlichen Gründe  gewesen sein.

Als "Echternacher Dreisprung" mit ein Schritt vor und zwei zurück bezeichnet Dr. Wolfgang Bärtl, Vorsitzender des Bundesverbandes niedergelassener Ärzte (BVNF) das Schieben der überfälligen Reform des fachärztlichen EBM auf den "St. Nimmerleinstag."

"Damit schwindet die Hoffnung, dass die äußerst angespannte und im GKV-Bereich völlig unangemessene Vergütung in den überwiegend grundversorgenden Facharztgruppen, der sog. 'GOUDAHs', in einem zeitnah überarbeiteten EBM behoben werden können", zeigt sich  Bärtl enttäuscht von diesem Zaudern.

Damit wird die mangelnde Wirtschaftlichkeit dieser grundversorgenden Facharztpraxen weiter zementiert und ein wirtschaftliches Überleben nur durch weitere Steigerungen im Selbstzahlerbereich oder Teilanstellungsverhältnis in Kliniken möglich. Überfällige Investitionen werden weiterhin geschoben und so werden die Praxen insbesondere in den Regionen ohne Quersubventionsmöglichkeiten keine Nachfolger mehr finden. Neben dem Versorgungsproblem ein herber finanzieller Verlust für die betroffenen Kollegen.

Als kleinen Lichtblick und ein Signal an die fachärztliche Grundversorgung kann der Beschluss  der KBV-VV zu den Schwerpunkten der anstehenden Honorarverhandlungen gewertet werden: Die KBV-VV hat sich dafür ausgesprochen, dass, neben einer Erhöhung des OPW (Orientierungspunktwertes), die Stärkung der haus- und fachärztlichen Grundversorgung Themenschwerpunkt der kommenden Honorarverhandlungen sein soll. Da die PFG (Pauschale zur Förderung der fachärztlichen Grundversorgung) bei den betroffenen, überwiegend konservativ und grundleistungsbezogenen Facharztgruppen bereits positive Wirkung gezeigt hätte, sollte dieser Weg weiter verfolgt und die PFG extrabudgetär gestärkt werden, um so die Wirtschaftlichkeit und damit die flächendeckende fachärztliche Grundversorgung zu stabilisieren.

"Der BVNF begrüßt diesen Beschluss, zeigt er doch, dass die Mehrheit der Delegierten, die über Jahrzehnte entstandenen Defizite bei den GOUDAH-Ärzten und anderen grundversorgenden Facharztgruppen erkannt haben und Willens sind, diese Verwerfungen vor der überfälligen EBM-Reform zumindest schrittweise über eine asymmetrische Honorarzuwachsverteilung zu heilen und damit auch wieder Verantwortung für die flächendeckende fachärztliche Versorgung an der Basis zu übernehmen. Es liegt jetzt an dem Vorstand der KBV, den Willen der KBV-VV in den Honorarverhandlungen umzusetzen und nicht, wie in den vergangene Jahren immer wieder geschehen, vorwiegend Spezialthemen zu unterstützen", fordert Bärtl.

Kategorie: Allgemein, BVNF