04.05.2015

Reite nie ein totes Pferd...

Gute Gründe, nicht im SpiFa Mitglied zu werden. Unter immer wieder wechselnden Etiketten und verschiedensten Konstellationen versuchten fachärztliche Verbände, einen Dachverband zu zimmern. Auch der wiederbelebte "Spitzenverband der Fachärzte", der sich momentan aufmacht, alle möglichen Verbände zu schlucken oder an sich zu binden, ist wieder ein solcher Versuch. Warum der Bundesverband der niedergelassenen Fachärzte diesem Konstrukt nicht Gefolgschaft leisten will, skizziert Wolfgang Bärtl, der Sprecher des Verbandes wie folgt:

Liebe Mitglieder,

Der BVNF ist ein Zusammenschluss von selbständigen, freiberuflichen Kollegen in eigener, inhabergeführter Praxis - man könnte sagen: "Der Unternehmerverband der Fachärzte".

Wir fragen uns schon, wie es ein Dachverband bewerkstelligen will, die Interessen von niedergelassenen Ärzten, von Angestellten in MVZs und Klinikärzten gleichzeitig zu vertreten. Das muss einen "Konsensbrei" ergeben, der vielleicht für die Politik leicht verdaulich, aber für Kollegen in freier Praxis unbekömmlich ist und genauso sauer aufstößt, wie ein verdorbener Wein.

Im besten Falle paralysieren sich die Interessen der verschiedenen Facharztgruppen und von niedergelassenen und angestellten Ärzten, im schlechtesten Falle entsteht eine Einigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, wie dies mit der Förderung der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung und ihren möglichen Auswirkungen durch das Geschäftsmodell "Sanakey" zu erwarten ist. Und dieses Geschäftsmodell kann potentiell 80% der niedergelassenen Kollegen schaden.

Der BVNF vertritt als basisdemokratischer, fachübergreifender Mitgliederverband die Interessen aller niedergelassenen Fachärzte, egal ob sog. " Grundversorger" oder " Spezialisten".

Das Kernziel lautet hier für alle gleich: Feste und angemessenen Preise für alle ärztlichen Leistungen - insbesondere die Grund- und Kernleistungen des Faches. So lange das nicht erreicht ist, sehen wir uns in der Pflicht, grobe Verwerfungen bzw. Benachteiligungen innerhalb dieses Systems zu benennen und zu korrigieren.

Das erklärte Ziel aber ist es, in einer Kostenerstattung von dem ungesunden, budgetierten System wegzukommen, welches die Patientenversorgung in den letzten 20 Jahren zunehmend verschlechtert hat.

Dieses Ziel aber ist in den jetzigen Aktionen des Spifa nicht zu erkennen.

Die ASV hat für manchen Protagonisten inzwischen die Anziehungskraft des legendären Topfes Gold am Ende des Regenbogens. Das beflügelt die Phantasie, welche Leistungen man denn noch in die ASV überführen könnte und damit ca. ein Viertel des Honorars aus der allgemeinen Versorgung abzuziehen.  

Aber auch den einen oder anderen gesundheitswirtschaftlich interessierten Abrechnungsprofiteur zieht dieser "Schatz" von geschätzten 7,5 Mrd. Euro magisch an. Die Scheu, dafür die ca. 80 % "nicht-ASV-fähigen" Kollegen über die Klippe zu schicken, wird zunehmend geringer und man riskiert damit auch die fachärztliche Versorgung in der Fläche.

Davor warnt der BVNF seit mehreren Jahren. Die aktuellen Entwicklungen und Enthüllungen bzgl. ASV und SpiFa der vergangenen Wochen bestärken uns in unserer Zurückhaltung.

Aus diesem Blickwinkel stellt das Angebot des SpiFa, eine eigene Abrechnungsfirma aufzubauen, eine klare Beschädigung und wirtschaftliche Gefährdung der ambulanten vertragsärztlichen Strukturen dar. Es steht zu befürchten, dass das Kollektiv der verbleibenden, grundversorgenden Fachärzte damit für den „Auszug“ der ASV-Fachärzte zahlen muss.

Der BVNF wird nicht Mitglied eines Spitzenverbandes werden, dessen erklärtes und vorrangiges Ziel die Förderung weniger ASV-fähiger Hochspezialisten ist und dafür die 80 % der nicht ASV-fähigen niedergelassenen Fachärzte die Zeche zahlen lässt bzw. sie zur Plünderung in der regionalen Versorgung freigibt.
 
Es ist für den BVNF nicht nachvollziehbar, welche Ziele für die gesamte Fachärzteschaft der SpiFa konkret und positiv vertritt, angesichts der sich widersprechenden Interessen seiner Mitglieder.

Damit ist der SpiFa als Sprachrohr, Interessensvertreter und letztlich als Ansprech- und Verhandlungspartner für Politik, Krankenkassen und tarifliche Vertragspartner ungeeignet.

Eine Mitgliedschaft dort halten wir unter diesen Bedingungen für nicht zielführend.

Der Wein, der den Fachärzten hier kredenzt werden soll, hat sich inzwischen in Essig verwandelt und wird der einen oder anderen Berufsgruppe noch sehr sauer aufstoßen.

Kategorie: BVNF, BFAV, Allgemein