11.04.2014

Faules Osterei: Fachärzte warnen vor Kompensationsgeschäft zwischen GroKo und DKG zum Bettenabbau. „Faulpauschalen“ sind keine Lösung.

„Der Abbau der unbestritten überflüssigen Klinikbetten darf den Krankenhäusern nicht mit einer Ausweitung des Geschäftsfeldes in der ambulanten Versorgung auf Kosten der niedergelassenen Grundversorger versüßt werden“, stemmt sich Dr. Wolfgang Bärtl, Vorsitzender des Bundesverbandes niedergelassener Fachärzte (BVNF) gegen Zusagen von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe beim Frühlingsempfang der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) gestern in Berlin.

Gröhe hatte sich bei seiner Festrede für eine Öffnung der Krankenhäuser quasi als Kompensationsgeschäft für den strukturell erforderlichen Abbau von 110.000 Betten ausgesprochen. Geplant sei dazu die Schaffung von MVZ in kommunaler (Klinik)-Trägerschaft, die Erweiterung und Fortentwicklung der ASV, die Schaffung neuer Institutsambulanzen für ältere Patienten mit geistiger Behinderung und nicht zuletzt die Terminzwangsregelung mit Klinikverweis.

Als „schmerzhaften Dolchstoß in den Rücken der Kollegen“ empfindet der BVNF-Vorsitzende die Einrichtung einer Terminservicestelle bei der KV-Sachsen. „Für umgerechnet etwas mehr als 50 Euro im Monat verkaufen die Kollegen im Osten die Chance, das System der Budgetierung zu demaskieren, geben die Terminhoheit als Markenkern der Freiberuflichkeit auf und holen sich das ständig und unverzüglich zu besetzende rote KV-Telefon in ihre Praxis!“

Durch unregelmäßig getaktete Kontrollanrufe eines von den Kassen festgelegten und von den Vertragsärzten zu bezahlenden Call-Centers würde die „Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit“ der Facharztpraxen qualitätsüberprüft und bei Fehlverhalten mit Honorarabzügen aus dem RLV-Budget sanktioniert.

Bärtl mahnt: „Das Terminmanagement der eigenen Praxis ist der Markenkern unserer Freiberuflichkeit. Die KV Sachsen hat uns hier ein faules Ei ins Osternest unserer Facharztpraxen gelegt.“

Kategorie: BVNF, BFAV