06.01.2014

BVNF gegen Zwangssprechstunde: »Wer anschafft, zahlt!«

Mit 15 Minuten-Sprechzeit pro Patient im Quartal und sukzessivem Ausschluss von ermächtigten Krankenhausärzten aus der Kassenärztlichen Vereinigung kontert der Bundesverband niedergelassener Fachärzte (BVNF) die Drohung zur Anordnung von Zwangssprechstunden durch den neuen Gesundheitsminister.

»Nicht die begrenzt zur Verfügung stehenden Sprechzeiten von 20 Kassenstunden pro Wochenarbeitszeit auf der Angebotsseite sind das Problem, sondern die Chipkarten-Flatrate mit unbegrenzter Inanspruchnahme ohne Kostenbeteiligung auf der Nachfrageseite, die zu europaweit höchsten Praxis-Besuchsfrequenzen führt«, kritisiert Dr. Wolfgang Bärtl, Sprecher des BVNF und niedergelassener Orthopäde aus der Oberpfalz, die Pläne der neuen Bundesregierung, die Fachärzte zu unbezahlter Mehrarbeit zu verpflichten. Die Praxen würden ohne Sparanreize bei den Patienten überlaufen, denn: »Was nichts kostet, ist nichts wert«.

Die Öffnung der Klinikambulanzen bedeute nur eine Verlagerung dieses Problems, verwahrt sich Bärtl gegen die Einmischung des Präsidenten der Bundesärztekammer, Ulrich Montgomery. Der ehemalige Krankenhausarzt hatte sich mit dem Vorschlag von »dringlichen Überweisungen für schnellere Facharzttermine« als Vermittler zur Einrichtung von Terminsprechstunden bei den niedergelassenen Kollegen angeboten.

Für den BVNF-Chef ist die Zwangseinrichtung ohne adäquate Bezahlung dagegen eine »Kriegserklärung an die Freiberufler«. Das Wartezeitenproblem sei auf der Nachfrageseite nur mittels angemessener und fester Preisen zu lösen, solange die Angebotsseite strikt planwirtschaftlich durch die Politik reguliert wird.

Falls das KV-System nicht umschwenke und in den Honorar-Verhandlungen fest bepreiste Mengenkontingente mit den Kassen vereinbare, »bleibt die niedergelassene Fachärzteschaft dem Ausbluten ihres Gesamtbudgets durch ambulante Mitversorgung der Krankenhäuser ausgesetzt«.

Zur Frontenklärung fordert der BVNF, innerhalb der KV sukzessiv und konsequent die ermächtigten Klinik-Ärzte aus der KV auszuschließen. Er fordert weiter, dass Patienten - je nach finanziellen Vorstellungen der Kostenträger - künftig eben nur noch einmal pro Quartal zu Lasten der GKV untersucht und behandelt werden. »Jeder weitere Quartalsbesuch, jeder Notfall und jeder Unfall wäre dann mit Kostenbeteiligung bzw. über eine Kostenerstattung zu finanzieren.«

Kategorie: BVNF, BFAV