27.12.2013

Schöne Bescherung für Fachärzte pünktlich zu Weihnachten

›Verramschen‹ der Schwangerschaftssonographie und Knochendichtemessung durch den erweiterten Bewertungsausschuss. Ein weiterer Schritt zur Ausdünnung der flächendeckenden fachärztlichen Versorgung.

Am 18. Dezember tagte der erweiterte Bewertungsausschuss. Von weihnachtlicher Beglückung der Ärzteschaft kann allerdings keine Rede sein – statt Geschenken fand die eine oder andere fachärztliche Gruppierung allenfalls eine Rute unter dem Christbaum: Pünktlich zu Weihnachten sollen erneut die Fachärzte die Zeche für eine Ausweitung der Indikationen und Mengen hochwertiger, kostenintensiver Leistungen über eine massive Abwertung ihrer Vergütung im EBM bezahlen. Knochendichtemessung und Schwangerschaftsultraschall wurden auf unterstem, intolerablem Niveau implementiert.

»Als ›angemessen‹ kann man die Preise für den erweiterten Einsatz der Knochendichtemessung oder auch das zusätzliche Ultraschallscreening in der Schwangerschaft wirklich nicht bezeichnen«, kritisiert der Vorsitzende des Bundesverbandes niedergelassener Fachärzte (BVNF), Dr. Wolfgang Bärtl. »Es ist eine inakzeptable Missachtung der Ärzteschaft, dass der erweiterte Bewertungsausschuss wieder einmal einen ›Dumping-Preis‹ für hochwertige und personalintensive ärztliche Leistungen festsetzt, der nachgewiesenermaßen betriebswirtschaftlich nicht darstellbar ist, geschweige denn ein Arzthonorar vorsieht…«

Am 18. Dezember war in einer Sitzung des erweiterten Bewertungsausschusses beschlossen worden, dass die sog. erweiterte Indikation zur Knochendichtemessung in den EBM implementiert wird und diese Leistung zwar extrabudgetär, aber zu einem Preis von 16,31 EUR erbracht werden soll, der ca. einem Drittel der bisher per Kostenerstattung bezahlten - betriebswirtschaftlich eben noch darstellbaren - Honorierung entspricht. Ähnliches gilt auch bei den Gynäkologen für die zusätzliche Ultraschalldiagnostik in der Schwangerschaft.

»Wie man zu einer solch massiven Abwertung einer Leistung kommt, die einen hohen technischen Aufwand benötigt, für die die Ärzte sich in entsprechenden Kursen lange fortbilden mussten und die auch eine entsprechend ausführliche Beratungsleistung für den Patienten nach sich zieht, kann man wirklich nicht mehr nachvollziehen«, kommentiert Bärtl das Verhandlungsergebnis.

Der erweiterte Bewertungsausschuss setzt als Organ der gemeinsamen Selbstverwaltung die Gebühren für ärztliche Leistungen fest, so der BVNF. Es ist jedoch jedem Arzt überlassen, ob er im Rahmen der vertragsärztlichen Tätigkeit die Voraussetzungen zur Erbringung dieser Leistungen zu diesem Preis auch noch aufrechterhalten kann oder will.

»Der erweiterte Bewertungsausschuss scheint mit den Dumping-Angeboten der letzten Zeit darauf hin zu arbeiten, dass bestimmte Leistungen im vertragsärztlichen Sektor so ausgedünnt werden, dass sie nicht mehr flächendeckend für alle gesetzlich Versicherten erbracht werden können«, mutmaßt Bärtl. »Wenn dem so ist, wäre es doch ehrlicher, den Versicherten endlich zu sagen, dass man keine neuen Leistungen in den EBM aufnehmen kann oder will. Die Fachärzte jedenfalls sind nicht mehr in der Lage, die vom Bewertungsausschuss ausgeknobelten Zwangsrabatte für ihre Leistungen durch private oder Selbstzahlerleistungen weiter zu subventionieren – und sie sind auch nicht mehr gewillt, das zu tun.«

Kategorie: BVNF, BFAV