14.08.2022

­20 Millionen € Honorarabzug für Widerstand gegen Telematikinfrastruktur

­TI-Verweigerer in Bayern werden trotz Bekanntwerden immer neuer Sicherheitslücken bestraft! Am 10.8.wurde bekannt: Der Chaos-Computer-Club (CCC) hat das Videoident-Verfahren gehackt. Dadurch sah sich die GEMATIK gezwungen den Krankenkassen diese Identifizierungsmethode zur Einrichtung der elektronischen Patientenakte zu untersagen.

Der CCC führt dazu aus: „Es wird Zeit für ein Ende der Beweislastumkehr, nicht die Betroffenen sollten Schwächen der Systeme nachweisen müssen, die Verfahrensbetreiber sollten vielmehr verpflichtet werden, deren Sicherheit nach anerkannten Regeln zu belegen. Die Erfüllung bestehender und neuer Anforderungen sollten künftig durch unabhängige Tests unter realen Angriffsbedingungen regelmäßig nachgewiesen werden.“ Das Fazit des CCC: „Der Angriff ist von einem interessierten Hobbyisten und erst recht von motivierten Kriminellen in kurzer Zeit und mit geringem Aufwand ausführbar.“
Gleichzeitig hat die KVB dem Bayerischen Facharztverband (BFAV) mitgeteilt, dass von Quartal 1/2019 bis Ende 2021 insgesamt 15 Millionen Euro TI-Honorarkürzungen bei nicht an die Telematikinfrastruktur angeschlossenen niedergelassenen Ärzte zurückgehalten worden sind. Hochgerechnet auf August 2022 sind das runde 20 Millionen Euro Honorar, die an die TI-Verweigerer nicht ausbezahlt worden. Dr. Gernot Petzold, Augenarzt in Kulmbach und Vorstand des BFAV bemerkt dazu: “Es ist eine groteske Situation, die bayerischen Ärzte und Psychotherapeuten, die aus Sorge um die Datensicherheit und den Bruch der ärztlichen Schweigepflicht den Anschluss an die Telematikinfrastruktur verweigern, werden mit 20 Millionen Euro Honorarabzug bestraft. Für den Anschluss an die TI wurden aber dagegen 136 Millionen Euro bis Ende 2021 von der KVB ausbezahlt. Angesichts der erneuten Datenpanne ist das ein Schlag ins Gesicht aller Ärzte, für die der Schutz der hochsensiblen Patientendaten höchste Priorität hat“.

Kategorie: Bayerischer Facharztverband, BFAV