14.12.2020

Gefährlicher Spaltpilz – Covid-19-Impfung – BFAV warnt vor Priorisierungsdebatte unter den Niedergelassenen

Dr. Wolfgang Bärtl

Das Vordrängeln des Bayerischen Hausärzteverbandes (BHÄV) bei der Vergabe von Impfdosen zur gesundheitlichen Absicherung der Hausarztpraxen stößt beim Bayerischen Facharztverband auf Unverständnis. BFAV-Sprecher, Orthopäde Dr. Wolfgang Bärtl in Neumarkt/Opf., fordert solidarisches Verhalten zum Schutz der Mitarbeiterinnen und Kollegen in Fach- und Hausarztpraxen gleichermaßen.

Der Beschlussentwurf der ständigen Impfkommission (STIKO) sieht nicht vor, dass Ärzte und Pflegekräfte generell Teil der ersten Covid-19-Impfempfehlung sein werden. Dagegen wendet sich das aktuelle Mitgliederrundschreiben des BHÄV vom 10.12.2020. Nach Ansicht von Hausärztechef Dr. Markus Beier, sollten aber die Hausärztinnen und Hausärzte bei der Versorgung mit Impfdosen vorrangig berücksichtigt werden. Der Allgemeinmediziner aus Erlangen beruft sich dabei auf die weiteren Ausführungen der STIKO, wonach „Personal mit besonders hohem Expositionsrisiko in medizinischen Einrichtungen“ und „Personal in medizinischen Einrichtungen mit besonders engem Kontakt zu vulnerablen Gruppen“ vorrangig geimpft werden sollte. Beides würde für die medizinischen Fachangestellten in den Hausarztpraxen zutreffen. „Alles andere wäre für den Bayerischen Hausärzteverband auch nicht hinnehmbar“, schiebt Baier gleich eine Drohung hinterher.

Ungesunde Debatte

Der Bayerische Facharztverband, als Vertreter der niedergelassenen Fachärztinnen und Fachärzte in Bayern, warnt angesichts solcher Einlassungen vor einer „ungesunden Priorisierungsdebatte“ unter den niedergelassenen Fach- und Hausärzten.

„Wir niedergelassenen Fach- und Hausärzte stehen mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seit Ausbruch der Pandemie im März diesen Jahres gleichermaßen an der Front der Hilfswelle und halten so gemeinsam den Kliniken den Rücken frei, um für die schweren Erkrankungsfälle gerüstet zu sein. Wir Fachärzte leisten - und das sollte nach dieser zwangsbehafteten und zwischenzeitlich gescheiterten Bereitschaftsdienstreform gerade dem Hausärzteverband geläufig sein - gemeinsam den allgemeinen ärztlichen Bereitschaftsdienst und sind dort ebenso wie in unseren Praxen mit denselben vulnerablen Altersgruppen in engem Kontakt belastet“, fordert Bärtl als Vorsitzender des Bayerischen Facharztverbandes ein solidarisches Vorgehen, um die vorrangige Impfung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Haus- und Facharztpraxen bzw. aller niedergelassener Fach- und Hausärzte gleichermaßen zu ermöglichen.

Das einseitige Vorpreschen eines Versorgungsbereiches sei daher nicht sachgerecht und sogar „gefährlich für die Patienten, da in Bayern bekanntlich fast zwei Drittel aller ambulanten Behandlungsfälle in den Praxen der niedergelassenen Fachärzte stattfinden. Gerade in vielen Fachgebieten, wie z.B. Orthopädie, Unfallchirurgie, Dermatologie, Urologie, Gynäkologie, Augenheilkunde, Innere Medizin etc. ist ein enger körperlicher Kontakt zu den vulnerablen Gruppen von Patienten nicht zu vermeiden“, will Bärtl die Priorisierungsdebatte gar nicht erst aufkommen lassen. Er fordert Beier deshalb auf, sich solidarisch für eine schnellstmögliche Impfung aller Beschäftigten in den Praxen der Niedergelassenen gleichermaßen einzusetzen.

Kategorie: Bayerischer Facharztverband, BFAV