23.11.2020

Betriebswirtschaftlicher Offenbarungseid – KVB-Verwaltungskosten explodieren – Schlimme Befürchtungen bestätigt

Dr. Wolfgang Bärtl

Die Ausgaben und Aufwendungen der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) explodieren. Die Vertreterversammlung beschließt Beitragserhöhung um 0.9 %. Verursacht werden die Mehrausgaben neben gestiegenen Kosten für Weiterbildung, insbesondere durch die Ausweitung des Bereitschaftsdienstes und zur Erfüllung des Sicherstellungsauftrags. Im Zentrum der Bayerischer Facharztverband-Kritik steht allerdings die ausufernde Bürokratie der Zwangskörperschaft, während die Honorare stagnieren.

„Die von den Kassenärzten durch Zwangsbeiträge zu finanzierende KVB-Bürokratiekosten driften gegenüber den Honoraren diametral auseinander, wie die heutige Vertreterversammlung unsere schlimmsten Befürchtungen bestätigt hat“, so kommentiert der Sprecher des Bayerischer Facharztverbandes (BFAV), Dr. Wolfgang Bärtl, niedergelassener Orthopäde in Neumarkt/Opf, die Tagungsergebnisse. Ein Ende dieser Entwicklung - „ein betriebswirtschaftlicher Offenbarungseid“ - sei auch in 2021 nicht in Sicht.

Bürokratie schreckt Ärzte ab

Wie bereits angekündigt, musste die Vertreterversammlung der KVB in der heutigen Sitzung am 21.11.2020 eine saftige Erhöhung der Verwaltungskostenabgabe der Ärzte und Psychotherapeuten in Bayern von 2,5% auf 3,4% beschließen, um die galoppierenden Ausgaben des Verwaltungshaushaltes auch für 2021 noch abdecken zu können. „In Anbetracht der mäßigen Honorarsteigerungen der Vertragsärzte, die in den vergangenen Jahren unter dem Preissteigerungsindex lagen, den massiv ansteigenden Personalausgaben und Explosion der TI-Kosten vermitteln die um 36% ansteigenden Ausgaben für die Verwaltung den Eindruck, als ob frei nach Büchner die KV bald ihre eigenen Ernährer verschlingen wird“, warnt der Vorsitzende des BFAV die Politik und die Verantwortlichen in der Körperschaft vor einem „Weiter so in dieser betriebswirtschaftlichen Abwärtsspirale, die langfristig viele Kollegen zum Aufgeben ihrer Praxis veranlassen könnte.“

Bittere Zahlen

Bereits heute gebe es im fachärztlichen Grundversorgungsbereich in den Regionen mehr sog. Unterversorgung als im hausärztlichen, deren Beseitigung über teure Subventionen oder defizitäre KVB-Praxen künftig durch Beiträge der KV-Mitglieder zusätzlich finanziert werden müssten. So werden nach der Prognose für 2021 die Aufwendungen für den Verwaltungskostenhaushalt seit dem Ausscheiden des BFAV aus der Vorstandsverantwortung im Jahr 2015 von ca.170 Mio € auf ca. 298 Mio. € in 2021 ansteigen (72 % in 6 Jahren, durchschnittlich also ca. 12%/p.a). Schwerpunkt bei den Ausgaben sind die fast verdreifachten Steigerungen bei den organisatorischen Aufgaben, die überwiegender Bereitschaftsdienstreform und der Weiterbildung geschuldet sind. „Das Schlimme daran ist, dass es kein Licht am Ende des Tunnels gibt“ zeigt sich Bärtl entsetzt über die Konzeptlosigkeit und verweist auf das trotz dieser happigen Beitragserhöhung prognostizierte neuerliche Defizit von ca. 25 Mio.in 2021. Nicht unerwähnt dürfe dabei bleiben, dass kostenrelevante dringende Sanierungs- und Erhaltungsmaßnahmen an den Gebäuden bereits verschoben und Neubeschaffungen z.B in der IT zur Kostenstreckung auf die Leasingschiene abgeschoben werden.

Einnahmenbasis verbreitern

Dieser Haushalt bedürfe einer dringenden Sanierung, um die Einnahmebasis durch gerechtere und angemessenere Honorare zu verbreitern und die Kosten über eine Konzentration auf das im Sicherstellungsauftrag Verpflichtende zu konzentrieren. „Sollte das nicht gelingen und ein Ende dieser evidenten Negativbilanz nicht erkennbar sein, dann hat das System eben versagt und ein künftiger Vorstand muss dann auch mal den Mut haben, ohne Rücksicht auf Amt und Posten das Systemversagen der Aufsicht mitzuteilen, ehe dieses System uns alle in den Ruin treibt,“ mahnt Dr. Ilka Enger, Vorsitzende des BFAV und vormaliges Vorstandsmitglied in der KVB

Kategorie: Bayerischer Facharztverband, BFAV, BVNF